Nordenham - Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Cybermobbing, Gewalt im Internet und Datenmissbrauch. Das hat unter anderem eine Schülerbefragung des Präventionsrates Nordenham im vergangenen Jahr ergeben, in der es um die Lebenswelt und mögliche Angsträume der Schüler ging. Der Präventionsrat hat sich deswegen entschieden, eine Aktion gegen Internetgewalt auf den Weg zu bringen, die von Seiten der Schulen ausgehen soll.
Edwin Krüger ist als Sachbearbeiter Prävention beim Polizeikommissariat in Nordenham tätig. Er ist bei der Suche nach einer passenden Präventionsmaßnahme auf das Programm „Medienhelden“ gestoßen. Darin werden Lehrer, Pädagogen und Sozialarbeiter geschult. Anschließend soll das Wissen aus der Fortbildung weitergegeben werden. Zielgruppe sind Schüler der Klassen sieben bis zehn.
Die Fortbildung fand jetzt an zwei Tagen an der Oberschule 1 in Nordenham statt. 15 Pädagogen aus Nordenham, Jaderberg und Rodenkirchen haben an der Schulung teilgenommen. Referentin war Madita Siddique vom Projekt „Medienhelden“. Sie ist an der Freien Universität in Berlin für den Bereich Entwicklungspsychologie zuständig. Das Programm „Medienhelden“ ist kein rein theoretisches Programm, sondern hat auch viele praktische Inhalte. „Natürlich soll unser Programm die Medienkompetenz der Schüler fördern. Wichtig sind aber zum Beispiel auch Empathie-Übungen und die allgemeine Verbesserung der Sozialkompetenz – nicht nur online, sondern vor allem im Alltag. Denn wenn es daran schon scheitert, wird es schwer, sich im Internet richtig zu verhalten“, erzählt Madita Siddique.
Ziel der Präventionsmaßnahme sei hauptsächlich, die Schüler zu sensibilisieren. Sie sollen vorsichtiger sein und hinterfragen, was überhaupt mit ihren Daten passiert. „Wir wollen die sozialen Medien nicht verteufeln oder sie verbieten, denn dann lernen die Kinder es ja nicht. Ganz im Gegenteil, sie sollen das Internet nutzen, aber sie sollen es bewusster tun“, macht die Referentin deutlich.
Mareike Wempen ist Lehrerin am Gymnasium in Jaderberg und Teilnehmerin der Fortbildung. Sie sei begeistert von dem Programm. „Einige Dinge kannte ich zwar schon aus anderen Fortbildungen, aber es ist super, hier alles noch mal gebündelt zu erfahren. Man lernt hier viel über verschiedene Methoden und kann auch einiges selber ausprobieren.“
Die Maßnahme wird über den Nordenhamer Präventionsrat finanziert. Carsten Seyfahrt, Bürgermeister und Vorsitzender des Präventionsrates, betonte in einer kurzen Begrüßungsrede, wie wichtig ihm das Thema sei.
Im Anschluss an die Fortbildung bekamen die Lehrer einen Onlinezugang zu allen wichtigen Materialien, die sie dann in zwei unterschiedlichen Programmversionen an die Schüler weitergeben können. Die Schulen können sich dabei zwischen einem Projekttag oder mehreren kleinen Unterrichtseinheiten verteilt über zehn Wochen entscheiden. Zwar würden beide Methoden ihre Wirkung zeigen, Madita Siddique empfiehlt den meisten Schulen aber, die Inhalte über einen längeren Zeitraum zu vermitteln. „So wird den Schülern das Thema immer wieder ins Bewusstsein gerufen. Durch diese Konsequenz kann sich die Einstellung der Schüler langfristig verändern“, ist sie überzeugt.
