NORDENHAM - Die Realschule I in Nordenham hat einiges versucht, um einen pädagogischen Mitarbeiter einzustellen und dafür nicht das eigene Budget anzugreifen. Aber weil weder das Land noch der Landkreis über die nötigen Mittel verfügen, erwies sich dieses Bemühen letztlich als erfolglos. Dass eine solche Kraft dringend notwendig ist, davon sind die Lehrer allerdings überzeugt. Deshalb hat sich die Schulleitung entschlossen, einen Teil des Stundenkontingents, das für die Ganztagsbetreuung vorgesehen war, anderweitig zu nutzen. Und so hat die Realschule I seit Anfang des Monats einen pädagogischen Mitarbeiter. Er heißt Bernd Wellbrock, ist 41 Jahre alt, studiert zurzeit Sonderpädagogik in Oldenburg und steht den Schülern künftig mit Rat und Tat zur Seite.

Was an vielen Hauptschulen inzwischen die Regel ist, wird nun auch an der Realschule I angeboten. Am Bedarf besteht nach Ansicht von Torsten Lange, dem Pressesprecher der Schulleitung, kein Zweifel. Nach seinen Worten gibt es auch an der Realschule immer wieder Schüler, die eine sozialpädagogische Begleitung benötigen. Nicht selten sind private Probleme vorhanden, die guten Schulleistungen im Wege stehen. Und diese Probleme können in ganz unterschiedlicher Weise zum Ausdruck kommen: Konzentrationsschwierigkeiten, Mobbing, Versagensängste. Nicht selten handelt es sich um Schüler, die in ihren Familien nicht den nötigen Rückhalt haben.

Bernd Wellbrock wird 13 Stunden in der Woche an der Realschule arbeiten. Er ergänzt die Arbeit der Konfliktlotsen und der Beratungslehrerin Imke Gewinn. Seine regelmäßige Sprechstunde findet donnerstags statt. Darüber hinaus will er versuchen, mit den hilfebedürftigen Schülern in einem handwerklichen Projekt Kontakte zu knüpfen. Der 41-Jährige, der auch schon als selbstständiger Zimmermann gearbeitet hat, will gemeinsam mit Schülern die Optimisten der Segel-AG auf Vordermann bringen. Im nächsten Jahr soll ein Grünes Klassenzimmer eingerichtet werden. Bernd Wellbrock sieht in der Verbindung von Handwerk und pädagogischer Arbeit einen erfolgversprechenden Ansatz, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus kann seiner Ansicht nach die Erfahrung von handwerklicher Arbeit im Hinblick auf die Entwicklung der Schüler förderlich sein. Solche Erfahrungen seien in einigen Familien nicht unbedingt selbstverständlich.

Für die Projekte, die in Kleingruppen stattfinden sollen, können sich die Schüler freiwillig melden. Nicht ganz so freiwillig ist die Teilnahme für diejenigen, die im Schulalltag unangenehm auffallen. Bernd Wellbrock betont allerdings, dass es nicht um Bestrafung geht. Sein Ziel ist es, in einer vertrauensvollen Atmosphäre Probleme zu lösen.

Der 41-Jährige versteht sich auch als Vermittler zwischen Schülern und Lehrern. Dass er im Gegensatz zu den Lehrern keine Noten verteilen muss, sieht er als großen Vorteil. „Bei mir muss keiner Angst haben, eine Sechs zu bekommen.“