NORDENHAM - Wenn mittwochs Besucher der Martin-Luther-Kirche zum Turmzimmer hinauf lauschen, hören sie Musik, die in Gotteshäusern eher selten gespielt wird: Amy Mcdonalds „This ist the Life“ zum Beispiel, „Knockin’ on Heaven's Door“ von Guns N' Roses und nicht zuletzt der Beatles-Song „Here comes the Sun“. Diesen Titel trägt auch der Schulabschlussgottesdienst, den die Realschule I feiern wird: Für Mittwoch, 17. Juni, laden Kirchengemeinde und Schule in die Martin-Luther-Kirche ein. Zum Gelingen des Gottesdienstes will auch die Band beitragen, die seit Anfang des Jahres regelmäßig im Turmzimmer der Kirche probt.
„Mit dem Schulabschlussgottesdienst betreten wir Neuland“, sagt Torsten Lange, Fachkonferenzleiter für den Religionsunterricht an der Realschule I. Die neue Nordenhamer Pfarrerin Heike Boelmann war noch gar nicht in ihrer neuen Pfarrei angekommen, als Torsten Lange an die Theologin herantrat. Aber schon in einem ersten Telefonat waren sich beide einig, das Projekt anzugehen.
Segen für die Zeit danach
Nach ersten Berührungsängsten mit der fremden Materie Gottesdienst zeigten sich auch viele Schüler der zehnten Klassen bereit, an der Arbeitsgruppe für ihren Schulabschlussgottesdienst mitzuwirken. Denn die Bitte nach Segen für das Leben nach der Realschulzeit steht im Mittelpunkt des Gottesdienstes, zu dem auch Schüler anderer Jahrgänge und Schulen eingeladen sind. Auch Eltern und Freunde der Abschlussschüler, die nicht an der offiziellen Verabschiedungsfeier in der Schule teilnehmen können, haben im Gottesdienst die Gelegenheit, den Schulabschluss mitzufeiern.
Mit im Boot des Vorbereitungsteams sind auch einige Lehrer der Realschule I. Zum einen sind dies die Fachlehrkräfte für Evangelische Religion sowie die katholische Pastoralreferentin Gudrun Klene-Siebels. Unterstützung gibt es auch von Lehrern, die in der katholischen Gemeinde aktiv sind. Denn der Gottesdienst soll ökumenisch offen sein.
„Wir wollen einen Ruhepunkt setzen zwischen den vielen Abschlussprüfungen, den Abschlusspartys und -scherzen einerseits und den tags darauf beginnenden Abschlussfeierlichkeiten“, sagt Torsten Lange. Der Gottesdienst soll einladen zum Stillwerden und Besinnen auf das, was war und was kommt. „Rituale gliedern unser Leben und geben einen Orientierungsrahmen“, sagt der Lehrer, „der Gottesdienst bietet so eine Wegmarke im Leben – sei es am Ende eines Schuljahres oder am Ende der Schulzeit.“ Viele Schüler hätten zu Beginn ihrer Schulzeit einen Einschulungsgottesdienst gefeiert. Hier schließt sich am Ende der Schullaufbahn der Kreis.
Im Rahmen der Kooperation zwischen der Kirchengemeinde Nordenham und der Realschule I gab es in der Vergangenheit schon andere Gottesdienstprojekte – etwa zum Buß- und Bettag. Bei den – freiwilligen – Gottesdienstprojekten entdecken auch sonst kirchenferne Jugendliche die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Jugendliche der Band vom Schulabschlussgottesdienst haben sich gerade erst in einen Konfirmationsgottesdienst eingebracht.
Kirchenlieder entdeckt
Dass sie wöchentlich in der Kirche einen Anlaufpunkt haben, verdanken die Jugendlichen der neuen Pfarrerin Heike Boelmann: Sie hat sich für die Realschüler eingesetzt, ist bei ihren Kollegen auf offene Ohren gestoßen, und hat die Bereitstellung des Probenraumes ermöglicht. Mittlerweile entdecken die Jugendlichen auch junge Klassiker der Kirchenlieder für sich – und spielen auch mal „Laudato Si“ mit Gitarre, Bass und Schlagzeug.
