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Religion Gespür für das Gemeinsame schärfen

Torsten Lange

NORDENHAM - Dass Brötchen kostenlos auf dem Schulhof verteilt werden, spricht sich in Windeseile herum. Schnell baut sich eine lange Warteschlange vor dem metallischen US-Wohnwagen auf, aus dem heraus die Backwaren an die Schüler der Realschule I gereicht werden. Zugleich verbreitet sich eine Frage: „Warum machen Sie das?“ Johannes Hörnemann, Jugendbildungsreferent des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Landesverband Oldenburg, erklärt immer wieder geduldig: „Wir wollen den Schülern etwas Gutes tun.“

„Das ist Ihnen gelungen“, sagt der Zehntklässler Jakob Hronec. Er sitzt in einem schwarzen Rattansessel, den das Team der katholischen Jugendarbeit auf dem Schulhof aufgestellt hat, und genießt das spendierte Brötchen. Vor ein paar Tagen noch schwitzten die Zehntklässler in den schriftlichen Abschlussprüfungen. Jetzt dürfen sie Luft holen.

Diesmal ökumenisch

In der Sitzgruppe der mitgebrachten Gartenmöbel findet der Religionsunterricht statt. Diesmal ökumenisch. Die katholische Religionslehrerin Yvonne Ahlers und ihre evangelischen Kollegen haben die Religionskurse zusammengelegt.

Haben die Jugendlichen Fragen mitgebracht? Zunächst herrscht Schweigen, denn der Besuch des „Roadtrip“-Mobils kam kurzfristig zustande. Doch dann entwickelt sich langsam das Gespräch. Fast erwartungsgemäß wird die Frage nach Gott gestellt. Woher er kam, wenn vor der Schöpfung nichts war. Aber auch über die Liebe wird gesprochen, und über Frauen. Andere Klassen hinterfragen das Zölibat, das auch der Jugendpfarrer und Landesjugendseelsorger Heiner Zumdohme einhalten muss, der zugleich Präses des BDKJ im Landesverband Oldenburg ist. Kritischen Themen weicht das Team nicht aus.

„Wie hilft dir die Religion im Leben?“, will Jane Gerdes von Jan Klawon wissen, der Theologie und Sozialpädagogik studiert. Seine Antwort lässt viele aufhorchen: „Religion hilft mir nicht, sie fordert mich heraus“, sagt Jan Klawon. „Das Leben wird nicht ruhig und gechillt, sondern es bringt mehr Verantwortung.“

Für die Gruppe da sein, andere annehmen, miteinander leben: Das probieren einige Schulklassen ganz praktisch aus. Klawon, Zumdohme, Hörnemann und die Betreuerinnen Jutta Frerker und Sarah Helms haben Spiele zur Gemeinschaftsförderung vorbereitet. Ohne Sinn für das Miteinander und die Einbindung aller Mitschüler kommt die Klasse hier nicht ans Ziel. Die 6b lässt sich auch nach vielen gescheiterten Versuchen nicht unterkriegen: Eine Murmel muss über eine wackelige Röhrenverbindung über den halben Schulhof in einen Eimer geleitet werden – es dauert eine Weile, doch dann klappt es. Die Zwölfjährigen applaudieren für sich selbst.

Zehn Tage unterwegs

Die in den Pausen ausgegebenen Brötchen wirken als Türöffner. Mit dem „Roadtrip“ tourt die katholische Kirche zehn Tage durch das Oldenburger Bistum und will den Lebensraum der Schüler aufsuchen und ihre Fragen und Wünsche hören. Es gehe ihnen nicht um Mission, sagt Zumdohme. Auch Werbetafeln oder üppiges Flyermaterial sind nicht zu finden am Stand des BDKJ. Aber irgendwie haben die Schüler am Ende des Tages doch den Eindruck: „Kirche kann ja doch cool sein.“

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