Nordenham - „Wir stellen uns vor. Wir lernen Partner kennen. Und mit einem Mal ist Nordenham mitten in Europa.“ So beschreibt Tanja Buse (44), didaktische Leiterin der Oberschule I in Nordenham, die ersten Schritte in Richtung europäische Vernetzung. Jetzt folgt ein großer Sprung: Die Oberschule I startet eine strategische Partnerschaft mit einer Schule in Dänemark.

Dafür hat die Europäische Union (EU) für die Jahre 2016 bis 2019 jeder der beiden Schulen 25 000 Euro aus dem Programm „Erasmus plus“ bewilligt. Erasmus plus ist das EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport.

Über die digitale Kommunikationsplattform e-Twinning war die Oberschule in das Erasmus-Programm eingestiegen. So kam es vor einem Jahr zu einem Austausch von Weihnachtskarten und Schokoladen mit einer Schule in England.

Vor den Sommerferien dieses Jahres entwickelten Oberschüler dann im Austausch mit einer Schule in den Niederlanden einen Feiertagskalender. „Dieses interkulturelle Lernen macht den Kindern ganz viel Spaß und motiviert sie sehr“, hat Tanja Buse festgestellt.

Auch Torsten Lange (35), Fachbereichsleiter Sprachen an der Nordenhamer Oberschule I, freut sich: „Damit gewinnt Schulunterricht konkreten Nutzen. Sprache wird praktisch erfahrbar.“

Über diese ersten Vernetzungen fand Tanja Buse Kontakt zur dänischen Sindal-Skole, die eine strategische Partnerschaft mit einer Schule in Deutschland suchte.

Die Kleinstadt Sindal liegt an der Nordspitze Dänemarks, in Nord-Jütland. Die Schule ist eine Gemeinschaftsschule für alle Kinder bis zur 10. Klasse.

Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch ist bei den dortigen rund 1000 Schülern nicht so beliebt, zumal das Erlernen dieser Sprache in Dänemark als sehr schwierig gilt. In der Partnerschaft mit Nordenham, die mit Schülern der Mittelstufe geplant ist, möchte die dänische Schule ihren Deutsch-Unterricht attraktiver machen.

Die Nordenhamer Oberschule I, die zurzeit von 620 Schülern in den Klassen 5 bis 10 besucht wird, könnte von der Zusammenarbeit nicht minder profitieren. Das Lernen in der Muttersprache und in der Fremdsprache Englisch könnte verbessert werden – sowie praxisnaher und in konkreten Situationen erfahrbar gemacht werden. Die Medienkompetenz der Schüler könnte ausgebaut werden. Europäisches Denken und interkulturelles Verständnis könnte gefördert werden. Das könnte auch den Unterricht in anderen Fächern wie Geschichte, Politik und Erdkunde verbessern helfen.

Die Oberschule I ist stolz darauf, dabei sein zu können, zumal sie eine von lediglich 14 Schulen in Niedersachsen ist, die Förderung aus dem Erasmus-Programm der EU bewilligt bekommen haben.

Am Montag hat an der Nordenhamer Oberschule eine erste Lehrerfortbildung für die neue Schulpartnerschaft stattgefunden. Im Frühjahr ist ein erstes persönliches Treffen mit dänischen Lehrern geplant. Konkrete Unterrichtsvorhaben sollen entwickelt werden.

Das Projekt soll mit der 6. Klasse der Oberschule I anfangen. Im zweiten Jahr der Partnerschaft soll es über virtuelle Kontakte und Video-Konferenzen (im geschützten Raum) hinaus auch persönliche Begegnungen von Schülern geben. Zudem sind Tagungen vorgesehen.

Ziel ist: Mit Hilfe des über vier Jahre laufenden Förderprojektes soll eine nachhaltige europäische Schulpartnerschaft entwickelt werden – zum Nutzen aller Beteiligten.