NORDENHAM - Nicht für alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind Integrationsklassen in einer Regelschule optimal. Viele von ihnen sind in einer Förderschule, beispielsweise der Schule Am Siel in Atens, besser aufgehoben. Aber in Nordenham haben die Eltern ohnehin keine Wahl. Integrative Angebote gibt es nicht. Um das zu ändern, hatte die Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter jetzt zu einer Diskussionsveranstaltung in die Gaststätte Haus Weserstrand eingeladen.
Nach den Worten von Ina Korter ist die integrative Beschulung nicht als Ausnahme, sondern als Regel im Schulgesetz verankert. Die Realität sieht jedoch anders aus. Es gibt zwar integrative Kindergartengruppen. Aber wenn für die Kinder die Schule beginnt, ist es vorbei mit der Integration. „Viele Eltern fühlen sich allein gelassen“, berichtete die Abgeordnete aus zahlreichen Gesprächen, die sie geführt hat.
Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Gemeinde Stadland, wo es seit vielen Jahren ein integratives Konzept gibt. Von den guten Erfahrungen an der Grundschule Rodenkirchen berichteten die Lehrerinnen Monika Oldenburg und Elke Kuik-Janssen. Nach den Worten von Elke Kuik-Janssen hat sich die anfängliche Skepsis der Eltern längst gelegt. In der Praxis sieht die Integration so aus, dass die Kinder möglichst viel gemeinsam machen. In einigen Fächern werden die Ziele und die Aufgaben für die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geändert. Die Vorteile für diese Kinder liegen vor allem darin, dass ihre Lebenswelt bereichert wird. Alle Kinder würden in den Integrationsklassen wichtige Schlüsselqualifikationen lernen.
An der Hauptschule Rodenkirchen geht’s mit der Integration weiter, wie der stellvertretende Leiter, Jürgen Janssen, berichtete. Hier gibt es Kooperationsklassen für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Den größeren Teil des Unterrichts absolvieren die Schüler in ihren Partnerklassen gemeinsam mit den Regelschülern. Ein Vorteil des Integrationskonzepts ist die Möglichkeit der wohnortnahen Beschulung.
Jan Bahlmann, Leiter der Förderschule Am Siel in Atens, sagte, dass die Hälfte seiner Schüler den Hauptschulabschluss erreiche. Die Rückführung an die Hauptschulen sei ebenfalls ein Ziel der Förderschule.
Regierungsdirektor Dr. Peter Wachtel vom Kultusministerium machte kein Geheimnis daraus, dass „wir vom Idealzustand noch weit entfernt sind“. Integrationsklassen gebe es nicht geschenkt, „die Eltern müssen sie sich holen.“ Peter Wachtel riet den Eltern, die Initiative zu ergreifen und sich zusammenzutun. Dass auf dem Weg zu einem Integrationskonzept viele Hürden überwunden werden müssen, erfuhren die Teilnehmer von Elternvertretern aus Stadland, die ebenfalls an der Versammlung teilnahmen.
Nach der Diskussion trugen sich acht Interessierte in eine Liste ein. Ziel ist es, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich weiter mit dem Thema beschäftigt. Peter Wachtel ermunterte die Befürworter des integrativen Unterrichts: „Stadland ist eine Insel, die größer werden kann.“
