NORDENHAM - Uli Tiesler verzieht keine Miene. Bis zu fünf Minuten steht er völlig unbeweglich auf dem Hof der Südschule, von Kopf bis Fuß eingepudert mit steingrauer Künstlerschminke – wie ein metallenes Arbeiterdenkmal.
Flach atmen
Mit Ballonmütze, Schweißerbrille und dicker Arbeitsjacke bildet er einen seltsamen Kontrast zum strahlend weißen Boot der Segel-AG, vor dem er sich aufgebaut hat. Am liebsten spielt er den Mann im Wind – mit schiefem Schlips und zerfleddertem Regenschirm. „Living Doll“, lebende Puppe, nennt sich diese Kunstform. In Stubben bei Beverstedt unterhält er ein Yogahaus. „Da lernt man Atemtechnik“, sagt Uli Tiesler.
Die Pantomime-AG der Klasse 5 a des Gymnasiums umringt ihn. Mit schwarzen T-Shirts und kalkweiß bemalten Gesichtern bereiten sie sich auf die vier kleinen Stücke vor, die sie gleich auf der mobilen Bühne zeigen werden.
Kurz vor dem Ende des Schuljahres macht die Außenstelle des Gymnasiums in der Südschule an diesem Freitagnachmittag noch einmal ein Fass auf. Nicht nur die rund 240 Schüler sind dabei, sondern auch viele Eltern und der Förderverein, sagt die Außenstellenleiterin Ingrid Bergmann. Bei den Eltern hat sich Michael Eppler federführend um die Organisation gekümmert.
Aus dem grünen Klassenzimmer dringt derweil ein Tusch. Jeder erkennt sofort die schmetternde Tonsequenz aus „Wer wird Millionär?“ Doch weil die Streicherklasse 5 keine Millionen zu verjubeln hat, sondern nur Bonbons, heißt es hier „Wer wird Bonbonär?“ Vier Mädchen mit großen Schüsseln für die Bonbons vor sich wetteifern darum, die Fragen der verschiedenen Günther-Jauch-Darsteller zu beantworten.
Essig und Senf schmecken
Ein paar Meter weiter hält es die 6 c mit Stefan Raab: „Schlagt die 6 c!“ heißt die Herausforderung des Nachmittags, und zunächst haben die meisten Gäste wohl einen Heidenrespekt vor den Sechstklässlern. Denn erst langsam trauen sie sich an die Aufgaben heran. Die sind nicht ohne: Es gilt, aus sechs Würfeln einen Turm zu bauen, mit zehn Würfeln auf einen Plastikbecher zu zielen oder aber mit verbundenen Augen einen Geschmackstest zu bestehen. Zur Auswahl stehen Leckereien wie Apfelmus und Honig, aber auch Nelken, Essig und Senf.
Da scheinen Jongleure mit Kegeln, Bällen und Tellern den leichteren Job zu haben, und so kann sich Heiko Bahlmann vom Zirkus Fantaasi nicht über Andrang beklagen. Bei ihm können Schüler die Augen-Hand-Koordination schulen und das gute Gefühl des Erfolgs genießen.
Geschick mit den Händen zeigen auch Tobias Janke und Cris Marechal. Die beiden Siebtklässler trommeln mit Yeti Mansena auf der mobilen Bühne. Seit zwei Jahren besuchen sie seine Trommel-AG und langsam werden sie fit für öffentliche Auftritte. Im September will Yeti eine weitere Trommel-AG mit Fünft- und Sechstklässlern gründen – mit der Hoffnung auf Auftritte.
