NORDENHAM - „Bonjour Monsieur Niakate!“. Freundlich begrüßen vorbeigehende Realschüler den aus Mali stammenden Bandiougou Niakate. Der Direktor der Hilfsorganisation Solisa ist am Montag in der Realschule I auf dem Weg zur Klasse 5c, um von seinem Heimatland und den dortigen Verhältnissen zu berichten.

Armut und Trockenheit

Solisa bedeutet soviel wie Solidarität für die Sahel-Zone. Die nichtstaatliche malische Organisation baut in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Nordenham-Kayes Schulen und Gesundheitszentren, dort wo sie dringend gebraucht werden: in der von Armut und Trockenheit gezeichneten Region.

„Wir wollen den Kindern das nötige Hintergrundwissen vermitteln“, sagt der pensionierte Lehrer Uwe Haars, der als Dolmetscher für den Französisch sprechenden Gast dabei ist. Die Schüler hören gebannt zu, als Uwe Haars von den schulischen und medizinischen Umständen erzählt. „Stellt euch vor, keinen Arzt zu haben“, sagt er. Die einzigen Kühlschränke in der Gegend dienen der Aufbewahrung von Impfstoffen in den Gesundheitszentren. Sie werden von Voltaikanlagen auf den Dächern betrieben.

Eine Welt ohne Strom

Eine Welt ohne Elektrizität ist für die Klasse kaum denkbar „Womit spielen die Kinder denn ohne Fernseher und Computer?“, fragt ein Mädchen.

Bandiougou Niakate berichtet, dass auch in Mali Fußball sehr beliebt sei, besonders bei den Jungen. Die Mädchen beschäftigen sich lieber mit Tieren. Seien es Ziegen, Kühe oder sogar Krokodile, wie Uwe Haars aus eigener Erfahrung ergänzt.

Für die Kinder der Dörfer werden Grundschulen gebaut, um die Analphabetenrate von über 80 Prozent in Mali zu senken. „Bildung ist die einzige Chance, um ein Leben oberhalb der Armutsgrenze zu ermöglichen“, erklärt Uwe Haars den Fünftklässlern.

Als Bandiougou Niakate den Kindern erzählt, dass das Durchschnittseinkommen pro Tag in seinem Heimatland bei ungefähr zwei Euro liegt, geht ein Raunen durch die Klasse. Es sind jedoch mindestens drei Euro pro Tag notwendig, um eine Familie ernähren zu können.

„Gibt es auch Shoppingcenter, da wo sie herkommen?“, fragt eine Schülerin interessiert. Bandiougou Niakate verneint lächelnd und berichtet, dass einer der Dorfbewohner von Zeit zu Zeit in die nächst größere Stadt Kayes fährt. Dort kauft er Stoff, aus dem Kleider für das ganze Dorf genäht werden.

Jedes Jahr besucht Bandiougou Niakate die Mädchen und Jungen der Realschule I. Schon die Jüngsten sollen über die Probleme in Mali, aber auch über die Fortschritte der Hilfsorganisation aufgeklärt werden.

Sozialer Projekttag

Bei dem sozialen Tag am Mittwoch, 9. September, beteiligt sich die gesamte Schule an Projekten, die Geld für Mali einbringen sollen. „Dass Monsieur Niakate anwesend ist, ist ein Ansporn für die Schüler“, sagt Margaret Knocks, Klassenlehrerin der 5c.

Nachdem Bandiougou Niakate den Schülern bei ihrer sozialen Arbeit über die Schulter geschaut hat, wird er zu weiteren Organisationen in Deutschland reisen. Dann geht es zurück nach Hause. Ab Oktober ist in Mali die Regenzeit vorbei und es kann wieder mit dem Bau von Schulen und Gesundheitszentren begonnen werden.