Nordenham - Die Zukunft der Raumfahrt hat begonnen: Die Chinesen planen bis zum Jahr 2030 eine Besiedlung des Mars. Es war stets ein großer Traum der Menschheit, fremde Welten zu entdecken und nach außerirdischem Leben zu forschen. Seit 60 Jahren sind Wissenschaftler, Astronauten und Erfinder bemüht, diesem Traum näher zu kommen. 1957 startete mit Sputnik der erste russische Satellit in den Orbit, 1968 wurde mit der amerikanischen Mission Apollo 8 der Flug zum Mond wahr.
Die Nordenhamer Sternfreunde beschäftigten sich bei ihrer jüngsten Vortragsveranstaltung im Großen Hörsaal des Gymnasiums mit der Geschichte der Raumfahrt. Als Referenten konnten sie erneut Dr. Thilo Günter von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt in Hamburg gewinnen. Der Physiker und Astronom ist seit zehn Jahren regelmäßiger Gast der Sternfreunde. Der Vorsitzende Hans-Heinrich Berends bedankte sich beim Referenten mit einem Präsent.
Alter Menschheitstraum
Thilo Günter holte in seinen Ausführungen zu einem großen Rundumschlag aus und beleuchtete die Raumfahrt von den Anfängen der Zukunftsvisionen von Jules Vernes (1828 bis 1905) bis zu den Plänen für die Besiedlung des Mars. „Mit dem Fortschritt der naturwissenschaftlichen Forschungen des 19. und 20. Jahrhunderts wurde dieser uralte Menschheitstraum von Reisen in das Universum erst möglich“, sagte der Referent. Diese Unternehmen seien aufwendig und sehr kostspielig, zudem habe die Raumfahrt stets im Spannungsfeld zwischen dem Wissensdurst der Menschen und der Politik der Supermächte gestanden.
Heute ist neben den USA und Russland China ein aufstrebender Kandidat für die Erforschung des Weltraums: „Dabei ist kaum noch bekannt, dass Deutschland vor 30 Jahren an dritter Stelle stand“, sagte Thilo Günter. Schließlich war es Werner von Braun, der in den letzten Kriegstagen die V-2-Rakete entwickelte. Die damaligen Siegermächte entdeckten das militärische Potenzial, der Wettlauf um die Vorherrschaft im Weltraum zwischen den USA und der UdSSR begann. Schließlich waren es amerikanischen Astronauten der NASA mit der Apollo Mission 8, die 1968 zum ersten Mal den Mond umrundeten und das Wettrennen für sich entschieden. Ein Jahr später folgte die erste Mondlandung.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA wurde 1975 gegründet, mit ihren Trägerraketen brachte sie eine Vielzahl von Satelliten in die Umlaufbahn, ohne sie wäre die heute Kommunikationstechnik kaum möglich, führte der Referent aus. In den vergangenen 30 Jahren starteten 192 Ariane-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana.
Weitere Fortschritte machte auch die bemannte Raumfahrt. Nach einem politisch motivierten Wettlauf zwischen den USA und Russland betreiben nun mehrere Staaten, darunter auch Deutschland, die Internationale Raumstation ISS. Sie umkreist in 400 Kilometer Höhe die Erde, im kommenden Monat soll der deutsche Astronaut Alexander Gerst gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Russland zu diesem 450-Tonnen-Koloss gebracht werden. „Auf der Erde herrscht kalter Krieg, und im Weltraum funktioniert es“, sagte Thilo Günter.
Die Amerikaner hingegen hätten ihr Space-Shuttle Programm mit den wiederverwendbaren Trägerraketen aufgrund der hohen Kosten inzwischen wieder eingestellt. China als dritte große Weltraumnation habe inzwischen aufgeholt und richte sein Augenmerk ebenfalls auf den Mond und auf den Mars. Ein unbemannter Marsroboter der NASA ist dort seit vier Jahren im Einsatz, in nicht allzu ferner Zukunft sei eine Besiedlung des Mondes und des Mars geplant, sagte Thilo Günter.
Zukunft in privater Hand
Die Wissenschaftler streckten ihre Fühler bereits noch weiter aus in ferne Galaxien. Die Voyager-Sonden 1 und 2 sammeln seit 1977 Daten aus dem äußeren Sonnensystem. Nicht zu vergessen das Weltraumteleskop Hubble, von der NASA und der ESA gemeinsam entwickelt, das seit 1990 nach außerirdischem Leben forscht. Thilo Günter ist sich sicher, dass die Zukunft der Raumfahrt in privater Hand liegt. Inzwischen hätten Milliardäre weltweit ihre eigenen Projekte angeschoben. Sie planen nicht nur einen Weltraumtourismus, sondern auch eine bemannte Mondbasis als Zwischenstation für Reisen zum Mars.
