NORDENHAM - Im ersten Stock des Schwesternwohnheims der Wesermarsch-Klinik leuchtets sonnengelb. Hier sitzen die Krankenpflege-Schülerinnen der Wesermarsch-Klinik zusammen, um den neuen Jahrgang zu begrüßen. Drei Jahre lang werden die sechs Neuen die sonnengelbe Dienstkleidung der Schülerinnen tragen, ehe sie zum Brombeer der Pflegekräfte wechseln dürfen.
Die sechs 18- bis 22-Jährigen haben sich unter 120 Bewerbern aus ganz Deutschland durchgesetzt. Offiziell reicht ein Hauptschul-Abschluss, aber tatsächlich kommt niemand ohne gutes Realschul-Zeugnis an einen solchen Ausbildungsplatz.
Denn auf die Schülerinnen wartet ein anspruchsvolles Programm: 2100 Stunden Theorie in der Krankenpflegeschule Delmenhorst und 2500 Stunden Praxis, überwiegend in der Wesermarsch-Klinik.
Die ersten vier Wochen Schule haben Lea Baum, Swantje Eckardt, Kübra Kocakaya, Wiebke Kösling, Meike Wichmann und Anne Oberfeld schon hinter sich. Sie haben sich mit der Kontrolle von Vitalfunktionen, Hygiene und Arbeitsrecht befasst. Ab jetzt wechseln Theorie und Praxis einander ab.
Die Ausbildung ist fast wie ein Studium, sagt die Pflegedienstleiterin Anke Bessel-Dietrich. Anschließend sind die jungen Frauen Managerinnen.
Gefragt seien nicht nur Medizin und Pflege, sondern auch Sozialwissenschaft, Politik und das nahezu unübersichtliche rechtliche Geflecht rund um die Krankenversicherungen. Gesundheits- und Krankenpfleger das ist die offizielle Berufsbezeichnung seien heute auch Berater der Patienten und deren Angehörigen. So seien sie gefragt, wenn es für ältere Patienten nach dem Klinik-Aufenthalt nicht zurück nach Hause geht, sondern in ein Heim.
Zur Ausbildung gehören auch Außenstationen, etwa die Psychiatrie, die häusliche Pflege oder Einrichtungen für Behinderte.
Der Lohn der Anstrengungen samt Zwischenprüfungen und Staatsexamen: Gesundheits- und Krankenpfleger müssen keine Angst vor Arbeitslosigkeit haben. Die Übernahme in der Wesermarsch-Klinik ist wahrscheinlich. Und wenn nicht, warten andere Kliniken oder Pflegedienste sehnsüchtig auf die gut ausgebildeten Fachkräfte.
