Friesoythe - „Schnell, das EKG-Programm ist ausgefallen!“ Wenn er mit diesen Worten gerufen wird, muss Tobias Kaczmazik sich beeilen. Ein Blaulicht braucht er nicht, dennoch handelt es sich um einen „Notfall“. Denn wer im Krankenhaus arbeitet, muss schnell handeln können. Das gilt auch für Informatikkaufmänner. Diese Erfahrung hat der Friesoyther in seinem ersten Ausbildungsjahr bereits gemacht.
Erstmalig schrieb das St.- Marien-Hospital vergangenes Jahr die Lehrstelle aus. Wenn Tobias nach den drei Jahren übernommen werden sollte, wird es voraussichtlich erst einmal keinen Nachfolger geben – danach sieht es zumindest derzeit aus. Der 20-Jährige freut sich. „Mir gefällt es hier, das ist echt mein Wunschberuf“, sagt er. Anfangs habe er sich kaum vorstellen können, dass es in einem Krankenhaus so viele Computer geben würde. Dann aber wurde er eines Besseren belehrt: „Hier ist alles ans EDV-System angeschlossen – das Labor, die Röntgenabteilung“, erklärt Tobias. Zwischen 8 und etwa 17 Uhr renne er viel durchs Haus. Mal fiele das Schreibprogramm bei einem der Ärzte aus oder eine Mitarbeiterin müsse in das Diensthandy eingewiesen werden, hin und wieder ist Tobias in der Außenstelle in Ostrhauderfehn im Einsatz – zu tun gäbe es immer reichlich. In seinem Büro hinter dem Kreißsaal läutet oft das Telefon. Wenn so ein Notfall – wie mit dem EKG-System – passiert, werden binnen vier Stunden Ersatzteile für den Hauptserver aus Amsterdam und Hannover geliefert. Zum Glück komme so etwas selten vor, betont Andreas Funke, der als Fachinformatiker einer der Ausbilder von Tobias ist.
Neben der EDV-Abteilung durchläuft der 20-Jährige während der dreijährigen Lehre Buchhaltung, Abrechnungsstation, Einkauf und Personalwesen in der Klinik. Einmal die Woche muss er zur BBS nach Oldenburg. Lieber aber sitze der Friesoyther an einem der 150 Rechner des Krankenhauses, berichtet er.
Ein Exot ist der Friesoyther in seiner Berufsschulklasse nicht: „Andere arbeiten für Fastfoodketten oder Wirtschaftsunternehmen, ich bin eben in der Klinik beschäftigt“, erzählt er, „Hauptsache, es hat was mit Computern zu tun – das ist einfach mein Ding.“
