Oldenburg - Die Pläne von Rot/Grün zur Abschaffung von Noten und Laufbahn-Empfehlungen in der Grundschule sehen Schulleiter als unausgegoren an.
Der Leiter der Hermann-Ehlers-Schule, Reinhard Struß, sagte auf Anfrage, die Ankündigung sei „irritierend“. Bei der Bewertung der Schülerleistungen werde so „um den heißen Brei herumgeschlichen“ und eher verschleiert. Außerdem wollten Eltern wissen, welche Schulform für ihr Kind sinnvoll sei und wo die Kinder stünden. Zudem komme selbst die Gesamtschule am Ende nicht um die Klassifizierung herum.
Neuerung überraschend
Richtig sei zwar, dass bei einer Grundausrichtung zur Gesamtschule die Noten in Klasse 3 und 4 nicht ins Konzept passten, weil es direkt davor und danach auch keine gebe. Die Neuerung hätte aber erst mal in Expertengremien gemusst. Regelmäßig gehe es stattdessen eher so: „Neuer Minister, neue Idee, neues Luftschloss – und an uns wird es getestet.“ Wenn man tatsächlich unbedingt etwas ändern wolle, schlüge er eine Debatte über eine achtjährige Grundschulzeit vor.
Die Leiterin der Grundschule Etzhorn, Susanne Finger-Vosgerau, sagte zu den „überraschenden Plänen“, die Empfehlungen seien zum Glück für manchen Spätentwickler ohnehin nicht bindend gewesen. Die Abschaffung der Noten sei aber hochproblematisch, weil nette Beschreibungen Eltern und Kinder eher im Unklaren ließen: „Mein Sohn war an der IGS. Am Ende der 8. Klasse hieß es: Das wird ein Hauptschulabschluss. Ich war geschockt, denn das war seinen Lernentwicklungsberichten nicht zu entnehmen gewesen. Aber es war zu spät, etwas zu ändern.“
Kritik von Gymnasien
Ohne Noten bestünde zudem eher die Gefahr, dass „die Kinder hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben“. Es habe zwar „Charme“, keine Noten zu vergeben, weil es so „für alle entspannter ist“, aber es provoziere möglicherweise das Gefühl, dass es nicht so darauf ankomme – auch bei den Lehrern. Das zeige sich teilweise in Klasse 1 und 2.
Günter Tillmann, Sprecher der Innenstadt-Gymnasien, sagte: „Die Empfehlungen sind eine enorm wichtige Standortbestimmung für alle. Und sie sind hochgradig treffsicher – ein Riesenkompliment an die Grundschulen.“ NGO-Leiter Wieland Herold sieht hier „im Klartext eine völlige Freigabe aller Schulen, egal, was in der Grundschule war“. Fürs Gymnasium bedürfe es aber einer entsprechenden Vorqualifizierung. Herold: „Das ist ein Schnellschuss.“ Nichts spreche gegen ergänzende Lernstandsberichte – „wir brauchen aber die Notenqualifikation“. Die IGS beuge sich dem ja auch, wenn es Richtung Abschlüsse gehe. Das müsse auch für den Grundschulabschluss gelten.
