NüRNBERG/BERLIN - Seit einigen Wochen haben die Schülerinnen und Schüler ihr Halbjahreszeugnis in der Hand. Wer im Spätsommer eine Berufsausbildung beginnen will, der sollte es jetzt schleunigst benutzen, um sich zu bewerben. „Je früher man sich auf die Suche macht, desto besser sind die Chancen“, sagte Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Rund 350 Berufe stehen zur Auswahl.

Es sei durchaus üblich, sich schon vor dem Abschluss mit dem Halbjahreszeugnis bei Firmen vorzustellen, sagt Mirtschin. „Das sagt ja schon einiges aus über die eigenen Fähigkeiten. Und wenn man sich erst mit dem Abschlusszeugnis bewirbt, ist das zu spät.“ Gerade in Zeiten der Krise sei es wichtig, frühzeitig aktiv zu werden und bei Ausbildungsbetrieben anzuklopfen. Mancher Chef frage sich: „Kann ich mir Ausbildung noch leisten?“ Andererseits wollten die Firmen sich aber auch für den drohenden Fachkräftemangel rüsten. „Unternehmer müssen ja auch schon an die Zeit nach der Krise denken.“ Daher seien die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt längst nicht so düster wie sie zuweilen erscheinen. 2009 werde es voraussichtlich rund vier Prozent weniger Schulabgänger geben als 2008 – es werde also „etwas weniger eng“.

Wichtig sei aber, dass Bewerber sich bei der Lehrstellensuche flexibel zeigen, riet Mirtschin. „Man darf sich nicht nur auf den einen Wunschberuf festlegen. Viele wollen zum Beispiel Automechaniker werden und denken nicht daran, dass es auch ganz ähnliche Berufe gibt.“ Auch bei der Ortswahl könne es sich lohnen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und einen Umzug für eine Lehrstelle in Erwägung zu ziehen. Am Geld müsse das nicht unbedingt scheitern – für ein Zimmer außerhalb des Elternhauses lässt sich eine Beihilfe zur Ausbildung beantragen. „Allerdings ist so ein Ortswechsel natürlich ein starker Einschnitt. Da muss man sich schon überlegen, ob man als junger Mensch dafür bereit ist.“

Jugendliche werden aber offenbar – wie immer gefordert – flexibler. Der häufig gehörte Vorwurf mangelnder Reife bei der Berufswahl treffe so nicht zu, sagte Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Tatsächlich orientierten sich Jugendliche oft nicht mehr nur daran, was sie selbst am liebsten möchten; sie zeigten mehr und mehr Realismus und Kompromissbereitschaft.

Der Ausbildungsmarkt teile sich allerdings weiter klar nach Geschlechtervorlieben. „Mädchen bevorzugen fast ausschließlich Dienstleistungsberufe“, sagte Ulrich. „Bei Jungen stehen auch einige gewerbliche Berufe weiter oben.“ Wer die Liste der bei Mädchen häufigsten Berufe durchgeht, finde in der Berufsbezeichnung oft Wortbestandteile wie „Helferin“, „Büro“, „Mode“ oder „Labor“. Bei den Jungen sei das nicht so, dort tauchen dann eher „Industrie“, „Metall“, „Bau“ oder „Informat“ auf.

Für die Mädchen sei die Festlegung auf Dienstleistungsberufe ein Nachteil: „Sie sind mit Abstand besser in der Schule“, sagte Ulrich, „aber sie haben die schlechteren Chancen bei der Lehrstellensuche.“ Ein Grund: In den von den Mädchen bevorzugten Berufsgruppen gebe es oft sehr viele Bewerberinnen.