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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Mehr Flexibilität bei der Arbeit

27.01.2018

Nürnberg Viele Chefs bitten ihre Angestellten um einen Kredit in Form von Arbeitsstunden. Denn nichts anderes sind sogenannte Arbeitszeitkonten: Dort zahlt der Beschäftigte seine Überstunden über einen kurzen oder längeren Zeitraum ein. Später kann er sich dafür eine Auszeit nehmen – für einen Nachmittag, je nach Modell aber auch für ein Sabbatical oder frühen Rentenbeginn. Solche Arbeits -zeitkonten bieten Flexibilität, sie bergen aber auch Risiken.

Gefährdet ist vor allem die Gesundheit: „Erholung lässt sich nicht aufschieben“, mahnt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Wer also ständig zu lange arbeitet, um sich den ersehnten Drei-Monats-Trip leisten zu können, der gefährdet seine Gesundheit, Leistung und Sicherheit.

Laut Bundesarbeitsministerium gibt es zwei Varianten von Arbeitszeitkonten: Erstens die kurzfristigeren Modelle, das sind Kurzzeit-, Gleitzeit- oder Jahresarbeitszeitkonten mit begrenzter Laufzeit, vor allem zum Ausgleich von Mehrarbeit über Tage und Wochen gedacht. Und zweitens langfristig angelegten Modelle, das sogenannte Wertguthaben und die Sonderform Lebensarbeitszeitkonto zum Beispiel, mit denen man auf längerfristige Freistellung hinarbeitet.

Zumindest die kurzfristigen Varianten sind mittlerweile fast Standard, sagt Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Es ist an sich auch erstmal eine gute Sache für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, dass nicht an jedem Tag genau dieselbe Arbeitszeit abgeleistet werden muss.“ Denn: In Firmen gibt es nicht immer konstant viel Arbeit. Und mancher Arbeitnehmer braucht mal privat eine Abweichung von Standard-Arbeitszeiten.

Teilzeit-Beschäftigte haben mehr Möglichkeiten, Arbeitszeit anzusparen, ohne die eigene Gesundheit zu gefährden, als Beschäftigte mit einer hohen wöchentlichen Arbeitszeit, sagt Frank Brenscheidt von der BAuA in Dortmund. Zumindest bei ihnen können Arbeitszeitkonten also wirklich mehr Flexibilität für Beschäftigte und Unternehmen bringen.

Dabei sollten sich Arbeitgeber allerdings an ein paar Spielregeln halten, fordert das BAuA: Dauerhaft sollten Beschäftigte nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten. Die Mitarbeiter sollten über die Arbeitszeiten mitentscheiden. Und die Zeiten sollten familienbewusst gewählt sein.

In der Realität wird Arbeitszeitflexibilität allerdings häufig eher durch die Gegebenheiten von Arbeitgeber und Job bestimmt, so IAB-Experte Weber. Der Arbeitnehmer habe darauf weniger Einfluss – mit negativen Konsequenzen. „Zufriedenheit kommt daher, wenn ich in der Lage bin, die Arbeitszeit zu beeinflussen“, sagt Weber. Unzufriedenheit entstehe auch bei denen, die unbezahlte Überstunden machen, ohne Konto. Das gibt es nämlich auch in der Ära von Zeitkonten noch immer.

Helga Nielebock aus der DGB-Rechtsabteilung weist auf einen weiteren Punkt hin: Manche Guthaben könne im Insolvenzfall des Unternehmens verlorengehen.

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