NUTTEL - Friedrich Oltmanns aus Bokel machte sich auf die Suche. Er fand 15 alte Mitschüler, zehn folgten der Einladung.

Von Kim Vredenberg

NUTTEL - Elf ehemalige Absolventen der Landwirtschaftsschule Oldenburg haben sich jetzt in der Gaststätte Claußen in Nuttel wiedergesehen – und das nach 54 Jahren. Friedrich Oltmanns aus Bokel war es, der irgendwann einfach wissen wollte, wie es seinen Mitschülern so ergangen ist.

Also begann er nach Namen, Telefonnummern und Adressen zu forschen. Und siehe da: von den damals 23 Schülern der „reinen Männerklasse“ konnte er 15 ausfindig machen. Elf ehemalige Mitschüler folgten nun der Einladung; die Männer wohnen in Seefeld, Großenmeer, Friesoythe, Oyten und im Ammerland.

Und die Freude, sich nach 54 Jahren wieder zu sehen, war natürlich groß. Schließlich ist in der Zwischenzeit einiges passiert: Hochzeiten, Arbeitsleben, der Übergang in den Ruhestand. Wie in der Schule ist jeder nacheinander mit dem Erzählen seiner Lebensgeschichte an der Reihe, während die ehemaligen Mitschüler aus dem Winterhalbjahr 1951/1952 gespannt und still zuhören. Dass es früher im Klassenraum nicht immer so still und leise zuging, will auf Nachfragen natürlich niemand wirklich bestätigen – doch nach und nach fallen den Männern einige Geschichten ein.

Der 75-jährige Otto Wiemken aus Friesoythe erinnert sich: „Wir hatten in Chemie den Lehrer Wurmbach. So klein er auch war, er wusste was Sache war.“ Und Friedrich Oltmanns (74) zitiert den Lieblingsspruch des ehemaligen Lehrers: „Ich werde sie gleich erschießen und mit Schwefelsäure begießen.“ Waren Frauen denn in der reinen Männerklasse damals kein Thema? Otto Wiemken versichert: „An Frauengeschichten war nicht zu denken. Dafür ließ uns der Lehrherr keine Zeit.“

Die Jungenschule stand früher an der Wallstraße 1 in Oldenburg, dort, wo heute die Polizei untergebracht ist. Die Mädchenschule war in Osternburg. Nach dem Besuch der Volksschule besuchten die Männer damals zunächst für drei Jahre eine landwirtschaftliche Berufsschule, bevor sie für zwei Winterhalbjahre an der Landwirtschaftschule Oldenburg lernten. Die Schule fand damals nur im Winter statt, im Sommer halfen die Knaben dafür auf den (heimischen) landwirtschaftlichen Betrieben mit und konnten das theoretisch erworbene Wissen praktisch anwenden.

„Genau wie die heutigen Berufsschüler waren wir froh, mal rauszukommen“, so Otto Wiemken. „Das war früher etwas strenger als heute“, ist sich Friedrich Oltmanns sicher. „Bei einigen Lehrern konnte man sich Scherze gar nicht erlauben. Wir waren alle artig.“

Am Ende sind sich alle – wie schon im Abschlussbuch aus dem Jahr 1952 – einig: „Schön war’s doch!“