ODENBURG - In diesem Sommer schließt Azubi Hannes Bunjes seine landwirtschaftliche Lehre auf dem Hof von Jan Schnörwangen in Wiefelstede/Spohle (Kreis Ammerland) ab. Für den 21-Jährigen stand schon lange vor dem Abitur fest, dass er diese Ausbildung machen wird, auch wenn seine Eltern keine Landwirtschaft betreiben. Angesichts der globalen Entwicklung und der Zunahme der Weltbevölkerung bietet der Bereich Landwirtschaft sichere berufliche Perspektiven, ist er überzeugt. Schließlich wollen alle etwas zu essen haben.
Er ist gern in der Natur, mag den Umgang mit Tieren und versteht allerhand von Technik, ist handwerklich geschickt, hat kaufmännisches Verständnis und kann organisieren. Das sind beste Voraussetzungen für den Beruf des Landwirts, sagt sein Ausbilder Jan Schnörwangen, der 65 Hektar bewirtschaftet, 80 Milchkühe und 70 Sauen hält. Ein Azubi muss zudem zuverlässig, verantwortungsbewusst, gewissenhaft, überlegt und gründlich sein, fasst er zusammen. Schließlich arbeiten sie intensiv mit Tieren, erzeugen Nahrungsmittel und bedienen teure Technik. Außerdem ist ein landwirtschaftlicher Betrieb vergleichbar mit jedem anderen Unternehmen, das gemanagt und geführt werden muss.
Noch gibt es keinen spürbaren Fachkräftemangel, sagt er weiter. Im Gegenteil: Es gibt viele junge Leute, die sich für landwirtschaftliche Berufe interessieren.
Das bestätigt auch Edda Albers, Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg: Die Ausbildungszahlen in der Landwirtschaft liegen auf einem stabil hohen Niveau, sagt sie und nennt Zahlen: Sie bewegen sich in Niedersachsen seit einigen Jahren zwischen 1630 und gut 1700.
Angesichts der Entwicklungspotenziale in der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft geht die Kammer auch weiterhin von einer hohen Nachfrage nach gut ausgebildeten Landwirten aus.
Einige Aspekte hebt Edda Albers im Berufsbild Landwirt besonders hervor: Das Angebot von Dienstleistungen, z. B. im Bereich Freizeit und Erholung, also Agrotourismus und Fremdenverkehr im ländlichen Raum, sowie Natur- und Landschaftspflege, Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft. Es wird zudem großer Wert auf einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft sowie die Beachtung der ökologischen Zusammenhänge und des Tierschutzes gelegt, betont sie.
Früher war der Beruf körperlich sehr schwer, heute bekommen Landwirte Unterstützung durch zahlreiche Maschinen. Dennoch muss man in guter körperlicher Verfassung sein, weil Körpereinsatz immer noch erforderlich ist, stellt Hannes Bunjes klar, der nach der Ausbildung Agrarwissenschaften studieren will. Nach dem Studium möchte er Landwirte beraten. Ich brauche die Nähe zur Praxis, zu den Landwirten und den Tieren, bekennt er und möchte sich auf Rinderwirtschaft spezialisieren.
Jan Schnörwangen hat Haupt- und Realschüler sowie Abiturienten ausgebildet. Sie alle haben ihre Ziele erreicht, erzählt er. Die Vorbildung sei nicht entscheidend, sondern das Engagement, die Lust am Beruf. So wird er auch künftig weiter Nachwuchs ausbilden, weil der garantiert gefragt ist und er selbst gern mit den jungen Leuten zusammen arbeitet. Je mehr sie gelernt haben, umso besser sind ihre beruflichen Chancen. Denn auch in der Landwirtschaft ist die Entwicklung rasant.
Neben dem Landwirt gibt es noch diverse weitere grüne Berufe. Informationen zu landwirtschaftlichen Berufen bietet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg) unter Telefon 0441/801800.
