OFENERFELD - Gerold de Boer liebt es, mit seiner Frau und seinen Kindern im Wohnmobil nach Südtirol zu fahren und dort zu wandern. Nach einem beschwerlichen Aufstieg sind für ihn die „Gipfelerlebnisse“ das Schönste. Wie ein solches dürfte sich auch sein Einzug in den Wiefelsteder Gemeinderat angefühlt haben. Zum ersten Mal hat de Boer bei der Kommunalwahl im vergangenen September kandidiert und 275 Stimmen bekommen. „Mit dem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet“, sagt der 50-Jährige.
Nun sitzt der Neuling als Parteiloser für die Grünen im Rat. Ganz fremd sind ihm die dortigen Abläufe nicht. Sieben Jahre hat er Elternvertretungsarbeit an Schulen betrieben, zwei Jahre war er im Gemeindeelternrat. Außerdem war er im Schulvorstand der Grundschule Metjendorf und im Schulausschuss tätig.
Auch de Boers Beruf war eine gute Vorbereitung auf seine neue Aufgabe. Als Oberamtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg tritt er für Gerechtigkeit und Vermittlung ein. Denn nur „30 bis 40 Prozent der eingehenden Fälle gelangen auch vor Gericht“, sagt er. „In den anderen Fällen kann ich als ausgleichendes Element wirken.“
Das lasse sich auch auf die Politik übertragen. „Ich streite auch mal hartnäckig für eine Sache und vertrete meinen Standpunkt. Man darf aber nicht den Realitätssinn verlieren.“ Darum sei der Rats-Einstieg in einer Oppositionspartei nicht schlecht – so könne er die Themen, die den Grünen wichtig sind, deutlich ansprechen.
Eigentlich war de Boer Mitglied in der SPD. Doch als Verfechter der IGS konnte er sich nicht mit der Oberschule anfreunden. Er trat aus der Partei aus und kandidierte für die Grünen. Dort kann er sich für die Themen einsetzen, die ihm am Herzen liegen, wie das geplante Repowering im Windpark Conneforde. Und auch das Thema IGS ist für ihn noch nicht abgehakt.
Überhaupt möchte er sich für alles engagieren, was mit Kindern zu tun hat. Das tut er auch privat. Der Vater einer zwölfjährigen Tochter und eines neunjährigen Sohnes trainiert eine E-Jugend-Fußballmannschaft beim TV Metjendorf. Darin kennt sich der Ofenerfelder aus: 40 Jahre hat er Fußball gespielt. Außerdem ist er als Referent des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr tätig. In Schulen betreibt er Präventionsarbeit. „Das ist mir lieber, als wenn mir die Jugendlichen später im Gerichtssaal gegenüber sitzen.“
De Boer beschreibt sich selbst als „ehrlich, hartnäckig, konsequent und hilfsbereit“. Er könne aber auch ungeduldig sein. Das dürfte ihm bei den manchmal etwas langsameren Verwaltungsabläufen in der Kommunalpolitik nicht passieren – das kennt er schon.
„Nach sechs Jahren in der Personalsachbearbeitung beim Oberlandesgericht Oldenburg und vier Jahren als Personalratsvorsitzender bei der Staatsanwaltschaft ist mir die Verwaltung nicht fremd“, sagt er. „Ich kenne also auch die andere Seite der Politik.“
