Ohmstede - Wenn man die Kinder vor den vier Meter hohen Schwerlastern auf dem Schulhof stehen sieht, hat man schlimme Gedanken. Erinnerungen an Verkehrsunfälle kommen hoch. Unfälle mit Todesfolgen, die geschehen sind, weil Lkw-Fahrer beim Abbiegen nach rechts Radfahrer oder Fußgänger nicht gesehen haben. Sie konnten sie im Außenspiegel auch gar nicht sehen, weil sie im Toten Winkel standen.
Die Kinder auf dem Ohmsteder Schulhof denken nicht an schreckliche Unfälle. Sie sind eher beeindruckt von der Größe der beide Zugmaschinen, die am Freitagmorgen auf dem Pausenhof stehen. Arne Aits hat dafür gesorgt, dass die Brummis angerollt sind. Er arbeitet in der Buchhaltung der Oldenburger Spedition Kuhnert und seine Tochter besucht diese Grundschule. Aits’ Angebot, für das nötige Equipment für einen Aktionstag zum Thema „Toter Winkel“ zu sorgen, nahm Schulleiterin Nicole Gourdon-Brand gerne an. „Diese Aktion ist eine Premiere bei uns“, sagt sie.
Zwei Profis, die sonst am Lkw-Steuer sitzen, und Verkehrssicherheitsberater Klaus Blaser vom Präventionsteam der Polizei, unterstützen diesen praxisnahen Verkehrsunterricht. Vorbereitet wurde er in den Klassenräumen. „Altersgerecht, mit verschiedenen Filmen“, erklärt Nicole Gourdon-Brand, „etwas aus der ,Sendung mit der Maus’ für die Kleinen und ein anderer längerer Erklärfilm für die Größeren.“
Nacheinander erscheinen alle zwölf Klassen der Schule, um sich in den Toten Winkel zu stellen. Und alle 220 Kinder dürfen auch einmal im Führerhaus hinterm Lenkrad Platz nehmen. Gerade ist Joris aus der 3c an der Reihe. Der Achtjährige wusste ja, was ihn erwartet, aber nun wundert er sich doch darüber, dass er seine Mitschüler wirklich nicht im Außenspiegel sehen kann. Dabei stehen doch draußen 19 Kinder auf dem mit grüner Plane gekennzeichneten Fläche – dem Toten Winkel.
Arne Aits zeichnet den Kindern zusätzlich auf Papier auf, wo die Gefahrenzone ist. „Aufpassen müsst ihr aber auch am Zebrastreifen. Denn ihr seid klein und der Lkw-Fahrer sitzt hoch.“ Die Kinder hören ihm andächtig zu. Die großen Trucks machen Eindruck. Und Aits weiß aus seinem Berufsalltag von den Fahrern, wie gefährlich es unterwegs immer mal wieder ist. Die Firmenwagen seien jedoch mit sogenannten Abbiegeassistenten ausgerüstet, erklärt er. Für den Aktionstag sind die zusätzlichen Spiegel aber abgeklebt.
Auch die Lehrerinnen finden es spannend zu sehen, wie wenig man vom Lkw aus sieht. Und Schulleiterin Nicole Gourdon-Brand lobt diese „gelungene Elternarbeit“. Denn die Schule habe kein Geld, solche Aktionen zu bezahlen. Dieser Aktionstag soll nun regelmäßig veranstaltet werden. Arne Aits nickt schon.
