Garrel - Eine 2 in Mathematik genügt schon: Die Schülerin wird ignoriert, ausgegrenzt, gemobbt. Nur ein Theaterstück auf der Bühne, das die Gruppe „Spotlight“ am Montag in der Aula der Oberschule Garrel aufführte? Weit mehr, weiß Andreas Raude. Vielleicht nicht die 2 in Mathe, dafür der Junge in der Siebten, der Türen zuhält und sich unfreundlich verhält, ein anderer, der die Grenze zwischen Spaß und Ernst nicht immer erkennt. Dem Thema Mobbing widmete die Oberschule Garrel einen ganzen Vormittag für Schüler der siebten Klassen. Zum vierten Mal beteiligt war die Theatergruppe aus Münster.

Mobbing: ein „weites Feld“, schilderte Andreas Raude. Ziel der Theaterpädagogen sei, dass die Schüler selbst empfinden, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden und dann zu Lösungen kommen. Dazu hatten die Theaterleute zunächst Szenen mit verschiedenen Aspekten auf die Bühne gebracht. Diese wurden im Klassenverband im Anschluss aufgearbeitet. In der dritten und vierten Stunde, in denen Jungen und Mädchen getrennt arbeiteten – Raude: „Für sie gelten oft spezifische Situationen“ –, ging es um Formen und Wirkungsweisen. Dabei wurde – unter Ausschluss des Klassenlehrers – auch die Situation in den Klassen thematisiert.

Raude: „Mobbing wird häufig verschwiegen. Viele Lehrer sind überrascht, wenn sie erfahren, was in der Klassengemeinschaft abläuft.“ Die Ergebnisse wurden in der fünften Stunde in der ganzen Klasse vorgestellt. Konflikte in der Klasse wurden angegangen. Wobei: „Ein Tag genügt natürlich nicht“, so Raude, „das Thema muss ständig begleitet werden.“ Wichtig: Schüler müssten wissen, an wen sie sich wenden können.

Der Gemobbte selber könne häufig nicht viel ausrichten. Deshalb seien Mitschüler wichtig, so auch die Aussage der aufgeführten Schlussszene zum Ende des Vormittags. Wenn Mitschüler gemeinsam gegen den Mobber stehen, ist viel erreicht, damit Schüler wieder ohne Angst in die Schule gehen können.

An der Oberschule werde bereits einiges gegen Mobbing getan, berichtete Sozialpädagogin Waltraud Nüsse im Gespräch mit der NWZ . So können sich gemobbte Schüler an so genannte Schülercoaches wenden. Das Thema Mobbing werde bereits in der fünften Klasse aufgegriffen, so die Sozialpädagogin, die den Vormittag gemeinsam mit Jasmin Kaiser (Sozialpädagogin) und Beratungslehrerin Annette Fischer-Kösterke vorbereitet hatte.

Im kommenden Jahr solle verstärkt das Thema Cybermobbing in den Blick genommen werden, das immer stärker in den Vordergrund trete. Dabei ist Aufklärung auch von Eltern und Lehrern gefragt.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)