Süllwarden - Die Einschulung ist heute für jedes Kind ein besonderes Erlebnis. Dafür sorgen auch Gottesdienste, Feierstunden in den Schulen, die großen gefüllten Schultüten und sogar andere Präsente. Das alles habe es vor 80 Jahren nicht gegeben, erinnert sich Robert Bartels. Sein erster Schultag sei ein ganz normaler Tag gewesen, mit Ausnahme der ersten beiden Unterrichtsstunden in der damaligen Volksschule Süllwarden.
Robert Bartels wurde 1932 nach den Osterferien eingeschult. „Den Weg zur Schule kannte ich schon, denn ich war am letzten Tag vor den Osterferien mit meiner Schwester mitgegangen“, blickt der heute 86-jährige Süllwarder zurück. Die Schüler, die zu Hause Schulanfänger hatten, durften die am letzten Schultag vor dem Schuljahreswechsel mitbringen. Es war auch der letzte Arbeitstag für den in den Ruhestand gehenden Lehrer Tjark Tannen, erinnert sich Robert Bartels.
Mit seinen nicht einmal sechs Jahren sei er der jüngste der rund 30 Schüler der einklassigen Volksschule Süllwarden gewesen. „An meinem ersten Schultag musste ich allein zur Schule gehen, denn mein Schwester musste eine Stunde früher da sein“, so der 86-Jährige. Schon nach nur zwei Stunden seien die Schulanfänger wieder entlassen worden, so dass er auch allein nach Hause gehen musste. Seine Eltern seien im landwirtschaftlichen Betrieb eingespannte gewesen und hätten keine Zeit gehabt.
„Auch eine Schultüte gab es nicht. Dafür waren die Zeiten zu schlecht. Ich bekam einen guten ledernen Tornister, dazu eine Schiefertafel mit angebundenen Schwamm und Tafellappen. Zum Schreiben hatten wir sogenannten Griffel. Damit konnte man auf die Tafel schreiben und später mit dem Schwamm alles wieder löschen“, berichtet Robert Bartels. Schreibhefte und Federhalter habe er erst nach dem 2. Schuljahr bekommen.
Sein Schulweg vom damaligen elterlichen Betrieb zur Schule musste er zu Fuß zurücklegen. Die 1,5 Kilometer lange Strecke führte über einen sogenannten Flurenpfad, der aus 30 Zentimeter breiten, aneinander gelegten Sandsteinplatten bestand. Eine Straße gab es nicht. Ein Fahrrad bekam Robert Bartels erst mit zehn Jahren.
Das Gebäude der Volksschule Süllwarden, die Robert Bartels besuchte, war um 1910 errichtet worden. Der Klinkerbau, der die Schule bis Ende der 1960er-Jahre beherbergte, wird heute als Ferienwohnungen genutzt.
