OLDENBURG - Nach der Verabschiedung versammeln sich die Schüler vor dem Oldenburg-Kolleg und Abendgymnasium. Wie denken sie über ihren (Doppel-)Schulleiter, der gerade mit so viel Lob in den Ruhestand verabschiedet worden ist? Sophia Michalski (24) sagt: „Gotthard Schönbrunn war auf jeden Fall ein guter Schulleiter, auch bei privaten Problemen hat er sich Zeit genommen und für einen eingesetzt. Das werde ich nicht vergessen. Ich bin traurig, dass er weg ist.“
Auch als Lehrer für Mathe und Physik war Schönbrunn extrem beliebt. Benjamin Trützschler (21) sagt: „Er war sehr locker – und trotzdem ein guter Lehrer. Er hat gesagt, ich bring dir das mal bei, und dann hat er das gemacht, und zwar so, dass man es kapiert hat.“ Und Nicole Podstawa sagt: „Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich so oft nachfragen kann, wie ich will. Er hat auf die Schwächeren geachtet.“
38 Jahre war Schönbrunn (64) Lehrer, zuerst an der Cäcilienschule, später am Studienseminar, die letzten 16 Jahre dann Schulleiter des Oldenburg-Kollegs, die letzten zehn auch des Abendgymnasiums. Mit einem Festakt vor zahlreichen Ehrengästen wurde seine Arbeit am Montag noch einmal gewürdigt.
Besucht werden die beiden Schulen von jungen Erwachsenen, die nach der Ausbildung, nach dem Beruf oder parallel dazu noch die Hochschulreife erlangen wollen. Das erfolgreiche Konzept zeigt sich nicht nur in den überdurchschnittlich guten Abi-Noten, sondern auch in der besonders positiven Bewertung der Schulatmosphäre durch die Inspektion. Schüler Daniel Kaszanics sagt: „Man fühlt sich hier in einer Familie aufgenommen.“
Ministerialrat Rolf Bade aus dem Kultusministerium attestierte Schönbrunn, mit der Zusammenführung von Kolleg und Abendgymnasium ein Vorbild für Niedersachsen geliefert zu haben. Schuldezernent Martin Schumacher richtete den Blick auf den enormen Wert für die Schüler, „weil hier Menschen die Chance gegeben wird, ihren Lebensweg zu korrigieren“.
Dafür, dass Schönbrunn nicht nur ein gradliniger Leiter und guter Lehrer war, sondern auch ein Typ ist, lieferte sein Schulleiter-Kollege und Freund Günther Hoyndorff (GEO) den Beleg: „Welcher Schulleiter fährt schon mit Cowboystiefeln Motorrad, singt zur Gitarre und spielt wie der Teufel Fußball?“
Schönbrunn dankte nicht nur Kollegen, Schülern und seiner Frau Brigitte, sondern nutzte auch die Gelegenheit, die zunehmende Überladung mit Fachinhalten zu kritisieren: „Bildung braucht Ruhe und Vertiefung.“
Als neuer Schulleiter vorgestellt wurde sein bisheriger Stellvertreter Bernd Beime.
