OLDENBURG - Ein Streber ist Kai Fischer nicht. Wenn er versucht zu erklären, wie es bei seinem Abitur am Oldenburg Kolleg zu dem außergewöhnlichen Notendurchschnitt von 1,0 kam, klingt das mehr nach einer Spazierfahrt durch die faszinierende Welt der Schulfächer als nach Büffelei.
Ich habe einfach immer alles gut behalten, sagt der 27-Jährige mit einem Schulterzucken. Er sei einfach an vielen Dingen interessiert und offen für alles. Sein Tipp an alle, die sich gedanklich noch mit Ziffern vor und nach dem Komma herumschlagen: Verbissenes Büffeln bringt gar nichts. Klar lässt sich mit Fleiß alles ausgleichen, aber man muss einfach neugierig sein, findet er.
So aalglatt wie Kais heutige Zensuren war seine schulische Laufbahn nicht. Ich habe die 12. Klasse auf der Cäcilienschule wiederholt und dann mittendrin abgebrochen. Meine Noten waren nie schlecht, aber ich hatte persönliche Schwierigkeiten damals, die Motivation hat mir gefehlt. Dann bin ich erstmal zum Bund gegangen, erzählt er. Dort durchlief er nach der Grundausbildung mehrere Stationen, wurde in Nienburg, Goslar, Flensburg und Appen eingesetzt.
Nach einigen Jahren habe ich gemerkt, dass dort nicht meine Zukunft ist. Irgendwie war ich mir selbst das Abitur noch immer schuldig weil ich ja auch wusste, dass es nicht an mangelnden Fähigkeiten lag, sagt Kai.
Dass es am Oldenburg Kolleg besser funktioniert hat, lag auch an der fortgeschrittenen Reife des Abiturienten. Man lernt auf einmal für sich, nicht mehr für die Eltern. Und es gibt ein Ziel, das man sich selber gesteckt hat, erklärt sich Kai sein gutes Abschneiden.
Weitergehen soll seine Laufbahn an der Uni. Am liebsten würde er Physik in Heidelberg studieren. Das Interesse dafür stammt aber nicht aus dem Unterricht. Physik habe ich gar nicht belegt. Ich habe mir selber Literatur über Astrophysik besorgt und mich eingelesen. Das hat mich fasziniert, sagt Kai. Und für Freunde, so der junge Mann, habe er auch immer genug Zeit gehabt.
