Oldenburg - Es gibt wieder Unruhe bei der Fachschaft Philosophie an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Nachdem die Professoren im Institutsrat Philosophie Ende Oktober dagegen gestimmt haben, die Seminare zu den Philosophen Karl Marx und Theodor Adorno von Prof. Dr. Ulrich Ruschig im nächsten Semester anzubieten, legten die Vertreter der Studenten im Institutsrat ein Veto ein.
Somit wurde bei der Institutsratssitzung vergangene Woche erneut abgestimmt. Dem ging eine hitzige, eineinhalbstündige Diskussion voran. Erneut stimmte die Mehrheit gegen die Erteilung der Lehraufträge. Mit dabei waren etwa 30 Zuhörer. Zuvor hatte der Fachschaftsrat Philosophie mit einem Flugblatt dazu aufgefordert, bei der Sitzung zu erscheinen, um dessen Position sichtbar zu machen.
„Das ist eine Katastrophe“, fasst ein Gasthörer aus der Region die Institutsratssitzung zusammen. Der Gasthörer sowie einige Studenten halten die Begründungen für unsachlich und nennen es eine auf „persönliche Antipathien“ beruhende Entscheidung gegen den Professor. „Ich sehe mich nach der Sitzung in meinen und den durch die Fachschaft zuvor geäußerten Kritikpunkten bestätigt“, erklärt Eike Köhler, Vertreter der Studenten im Institutsrat und Fachschaftsratsmitglied. In der Sitzung seien keine sachlichen Gründe genannt worden für die Nicht-Genehmigung, so Köhler. Bis auf Ruschigs Anträge wurden alle Lehraufträge von 18 Antragstellern für das kommende Semester genehmigt, berichtet das Fachschaftsratsmitglied weiter.
Ruschig ist verärgert
Laut Sabine Hollewedde, Mitglied der Fachschaft, haben sich über 400 Studenten und auswärtige Wissenschaftler gegen die Entscheidung stark gemacht. Online und auf Papier wurden dafür Unterschriften gesammelt.
Prof. Dr. Johann Kreuzer, Institutsdirektor, begründet die Entscheidung im NWZ-Gespräch nicht mit Antipathien, sondern mit fehlendem Bedarf. „Marx und Adorno haben wir breit abgedeckt“, sagt Kreuzer. Doch warum wurden Ruschigs Lehraufträge in den vergangenen drei Jahren genehmigt? Diese seien eine Geste des Instituts gewesen, erklärt der Institutsdirektor. Die Lehrveranstaltungen seien in den vergangenen Jahren wie auch jetzt „überflüssig“ gewesen.
Um das zu verstehen, muss in das Jahr 2013 zurückgeblickt werden: Denn zuletzt sorgte dort die „Zwangspensionierung“ von Ruschig für Gesprächsstoff. Der Professor, der bis 2013 Institutsdirektor war, wollte gerne noch weiter unterrichten, doch mit 65 sollte damit Schluss sein. Und das, obwohl es ein gerngesehenes Verfahren ist, dass Professoren über ihre Altersgrenze hinaus unterrichten, so Ruschig. „Die wollten mich da raus haben“, sagt der 69-Jährige. Nach einem langen Hin und Her bekam der Bremer Lehraufträge als Selbstständiger an der Universität. Laut Ruschig war der Konflikt in diesem Jahr programmiert, da nicht geklärt wurde, wie es im Anschluss weitergehen sollte. „Das ärgert mich auch so. Ich habe mich wirklich für das Institut eingesetzt“, sagt Ruschig.
Jetzt werde das Argument, dass der Bedarf gedeckt sei, nachgeschoben, so Ruschig. Laut Köhler gehören die Seminare des Professors auch zu den gut besuchten Veranstaltungen. „Dann hat man eben eine weitere Veranstaltung zu Marx und Adorno“, so Ruschig. Doch seine beiden Anträge wurden abgelehnt. „Ich halte das für einen Rauswurf.“
Zum Vorwurf, die Professoren würden die Wünsche der Studenten nicht ernst nehmen, sagt Kreuzer: „Sie sind gehört worden.“ Doch der Institutsrat, zu dem sieben Leute gehören, stimmte gegen die Lehraufträge. Zudem stehe es den Studenten frei, institutsunabhängig Veranstaltungen zu den Themen zu organisieren.
Nun wollen die Studenten Möglichkeiten abwägen, wie weiter verfahren werden soll, so Köhler.
