Oldenburg - „Wir kämpfen dafür, dass alle Menschen überall dabei sein und an der Gesellschaft teilhaben können“, sagte Adolf Bauer, Landesvorsitzender des Sozialverbandes Deutschlands (SoVD) am Mittwoch um „fünf vor zwölf“ auf dem Schlossplatz.
Wie wichtig Inklusion und Barrierefreiheit für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sind, verdeutlichte der SoVD in der Region Weser-Ems. Mit einer politischen Diskussionsrunde und vielen Informationen startete die Kampagne „Ich bin nicht behindert. Ich werde behindert“ mit einem Aktionstag auch in Oldenburg. In seiner Begrüßung sprach Bauer davon, dass man Barrieren in den Köpfen der Menschen abbauen wolle. „Wir wollen der Politik Druck machen zu handeln“, erklärte es. So dürften Menschen mit einer Behinderung, die voll betreut werden, immer noch nicht wählen und es fehle an barrierefreiem Wohnraum, der auch noch bezahlbar ist. Was die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angeht, sei es also im wahrsten Sinne des Wortes fünf Minuten vor zwölf.
Besonders bei der Inklusion im Bildungsbereich gebe es große Lücken: „Es gibt keine Alternative zur Inklusion, davor kann die niedersächsische Regierung nicht weglaufen“, sagte Bauer. Ein konkretes Beispiel für aktuellen Probleme lieferte die fünffache Mutter Christine Ripken aus Oldenburg. „Meine neunjährige Tochter sitzt im Rollstuhl“, erklärte sie. Im nächsten Jahr werde das Mädchen eine weiterführende Schule besuchen. Wie Ripken erklärte, wolle ihre Tochter zur Paulus-Schule, die auch ihre Geschwisterkinder besuchen. „Die Paulus-Schule hat einen tollen, barrierefreien Neubau und leider auch einen Altbau mit vielen Stufen“, sagte die Mutter. Sie wolle nicht nur ihrer Tochter helfen, sondern allen Kindern mit Beeinträchtigungen, die keine Möglichkeit haben, eine barrierefreie Schule zu besuchen.
Schulleiter Reinhard Lobmeyer erklärte, er habe großes Interesse daran, dass seine Oberschule eine inklusive werde. „Das Problem besteht nicht nur darin, dass das alte Gebäude denkmalgeschützt ist, sondern auch darin, dass wir einen Fahrstuhl bräuchten“, sagte er. Dieses Bauvorhaben würde rund 15 000 Euro kosten. Die Paulus-Schule gehört zwar der Stadt Oldenburg, wurde allerdings dem Bischöflich Münstersches Offizialat Vechta (BMO) überlassen. Das BMO sei für die Instandhaltung der Schule zuständig. Susanne Jungkunz, Leiterin der Fachstelle Inklusion der Stadt, schlug vor, das Gespräch mit dem BMO zu suchen. Christine Ripken sprach außerdem davon, dass es neben unebenen Straßen und zu wenigen behindertengerechten Sanitäranlagen auch an barrierefreien Spielplätzen für Kinder mangele. „Der SoVD wünscht sich eine Gesellschaft, in der niemand mehr sagen muss ,ich werde behindert’“, betonte Bauer.
