OLDENBURG - Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten setzen die Oldenburger Schulleiter auf Gesprächs- und Beratungsangebote für die Schüler, um ähnliche Taten zu verhindern. „Wir können so viele Dinge früh entdecken“, sagt Werner Kähler, Leiter der Haupt- und Realschule Osternburg. Wichtig seien Sozialpädagogen und Beratungslehrer. Auch die polizeiliche Präventionsarbeit wirke sich positiv aus.
Ähnlich sieht es Hartmut Steinhauer, Leiter der IGS Flötenteich: „Wir versuchen eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Schüler ihren Lehrern anvertrauen, wenn sie beobachten, dass sich andere Schüler in ihrem Umfeld seltsam verhalten.“ Es müsse eine Offenheit an der Schule herrschen. „Wir sprechen mit unseren Schülern, um sie zu sensibilisieren“, so Steinhauer weiter. Von Eingangskontrollen und anderen technischen Sicherungseinrichtungen hält er nichts. Er favorisiere eine pädagogische Hilfe.
Dem stimmt auch Günter Tillmann, Leiter des Herbartgymnasiums, zu. Er plädiert für eine Kultur des Hinsehens. Wichtig sei ein gutes Verhältnis zwischen Lehrern, Schülern und Eltern.
Als problematisch bewerten Tillmann und seine Kollegen, dass die Landesregierung plant, die Beratungslehrerstunden von drei auf zwei pro Woche zu reduzieren. „Das ist eine Härte, die ich sehr skeptisch beurteile“, sagt Wieland Herold (Neues Gymnasium).
„Wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, muss auch Beratung durch Fachleute einsetzen. Daran hapert es“, so Hartmut Steinhauer. Beratungslehrer und Schulpsychologen seien durch Anfragen schon jetzt überlastet.
„2004 gab es bereits eine Stundenreduzierung. Jetzt trifft es uns wohl erneut“, befürchtet Eckhard Stolt, Vorsitzender des Beratungslehrerverbandes. „Dabei nimmt der Beratungsbedarf seit Jahren zu“, weiß Petra Groschang (Gymnasium Eversten). Sie gehört zu den 30 speziell ausgebildeten Beratungslehrern in Oldenburg. Schulversagensängste, Mobbing und Essstörungen seien die häufigsten Beratungsthemen.
„Wir betreuen die Schüler, aber eine Therapie können wir nicht leisten“, erklärt Beratungslehrerin Gerlinde Engbers-Höft (BBS Wechloy). Schüler würden an den Schulpsychologen verwiesen. Doch auch der kann meist nicht sofort reagieren. Drei Schulpsychologen sind für die gesamte Nordwest-Region zuständig. „Kein anderes Bundesland ist so schlecht mit Schulpsychologen ausgestattet“, kritisiert Ralf Connemann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Schulpsychologen, die Stellen-Streichungen der vergangenen Jahre. Niedergelassene Therapeuten könnten das Problem auch nicht auffangen. Connemann: „Dort gibt es zum Teil Wartezeiten von einem halben Jahr und mehr.“
