Oldenburg - Die Pflegeausbildung wird neu geordnet – durch das Pflegeberufegesetz (gilt ab 2020), das die EU erzwungen hat (siehe Info-Kasten). Um darauf zu reagieren und einen hohen Standard in der Ausbildung zu sichern, hat sich der „Ausbildungsverbund Pflege für Oldenburg und Region“ gegründet. Neben den Initiatoren aus Pius-Hospital und WBS Schulen Oldenburg beteiligen sich mehrere ausbildende Einrichtungen aus dem ambulanten und stationären Bereich. Das Netzwerk steht für weitere Teilnehmer offen.

Kern der bundesweiten Ausbildungsreform ist die sogenannte generalistische Pflegeausbildung. Das heißt: Die drei bisher getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einem einheitlichen Ausbildungsberuf zusammengeführt.

Das Ziel: Die Auszubildenden, deren Ausbildung sich an den Bedürfnissen von Menschen aller Altersgruppen orientiert, sollen in allen Bereichen der Pflege eingesetzt werden können. Ab 2020 starten die ersten Kurse in der generalistischen Ausbildung.

Der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Friedhelm Fiedler, befürchtete in einer Reaktion auf die verlangten Änderungen allerdings, dass sich der Ausbildungsstoff nun künftig stärker an der Krankenpflege orientiere und sich deshalb weniger Hauptschüler für den Pflegeberuf entscheiden werden.

Denn rund 70 Prozent der Auszubildenden in der Krankenpflege seien Abiturienten, in der Altenpflege-Ausbildung seien aber 60 Prozent Hauptschüler. „Viele Hauptschüler werden von zu viel Theorie abgeschreckt“, sagte Fiedler: „Die alten Menschen und die Altenpflege werden zum Opfer dieser Reform.“

Das Oldenburger Netzwerk will alle Nachteile der Reform so gut wie möglich ausgleichen. Denn das Vorhaben bringe tatsächlich „nicht nur Vorteile für die pflegerische Versorgung: Es stellt – mit Blick auf den prognostizierten Fachkräftemangel – die Pflegeschulen und die Träger der praktischen Ausbildung vor große Herausforderungen“, sagt Birgit Burkhardt, Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Pius-Hospitals, die mit Jan van der Meer, Leiter der WBS Schulen, den neuen Ausbildungsverbund initiierte. Um den Herausforderungen durch die Neuordnung gerecht zu werden, setzen die beteiligten Ausbilder auf Vernetzung: „Eine kollegiale Zusammenarbeit und das Aufeinanderzugehen sind Voraussetzungen, um dieses Vorhaben gelingen zu lassen“, sagt Birgit Burkhardt.

„Gemeinsam Verantwortung für Oldenburg und die Region zu übernehmen, bewirkt, dass der Ausbildungsstandort attraktiv bleibt und die Ausbildungsplätze gesichert sind“, sagen Jan van der Meer und Birgit Burkhardt. Mit der Absichtserklärung sollen „verlässliche und planbare Strukturen bei der Umsetzung des Gesetzes geschaffen werden, sodass alle davon Betroffenen – die Auszubildenden, die Menschen, die auf professionelle Hilfe angewiesen sind und die Träger der praktischen Ausbildung – davon profitieren“, so das Pius.

Bei einem ersten Treffen in Oldenburg unterzeichneten die bisherigen Verbundmitglieder jetzt in einer Absichtserklärung ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit und erörterten sowohl die Chancen als auch die Ungewissheiten, die ein Ausbildungsverbund mit sich bringt.

Ein weiteres Treffen ist für Mittwoch, 22. Mai, im Pius-Hospital geplant, um Absprachen und Verbindlichkeiten für eine Kooperationsvereinbarung zur Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität in der Zukunft zu definieren. Interessierte Ausbildungsträger sind eingeladen, sich dem Verbund anzuschließen.  Kontakt und Anmeldung über Mail an Birgit.Burkhardt@pius-Hospital.de oder jan.vanderMeer@wbs-schulen.de.

Änderung in Pflege-Ausbildung

Die Reform der Pflegeberufe war erzwungen geworden, weil die deutschen Pflegeabschlüsse nicht EU-konform sind. Die anderen europäischen Länder haben keine derart ausdifferenzierten Pflegeberufe wie Deutschland, sondern bieten nur einen einzigen Berufsabschluss im Pflegebereich an. Alle Pfleger/Pflegerinnen in der EU sollen ihren Einheits-Abschluss überall anerkannt bekommen.

Das heißt: Zum 1. Januar 2020 werden die drei Berufsbilder Altenpfleger/-in, Gesundheits- und Krankenpfleger/-in und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in zusammengeführt: zur Pflegefachfrau/ zum Pflegefachmann. Das bedeutet auch: Wer zum Beispiel jetzt noch speziell staatlich anerkannter Altenpfleger/-in werden möchte, muss die Ausbildung noch 2019 beginnen – z.B. an den WBS Schulen Oldenburg ab 2. September (Bewerbungsfrist läuft).

Die genaue Regelung: Alle Auszubildenden erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung, in der sie einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung wählen. Azubis, die im 3. Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, erwerben den Abschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.

Spezialisierung: Azubis, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können wählen, ob sie – statt die generalistische Ausbildung im 3. Jahr fortzusetzen – einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege erwerben wollen (Anerkennung dieser Abschlüsse in der EU nur durch Einzelfallprüfung).

Zukünftig wird kein Schulgeld mehr gezahlt. Zudem haben die Azubis Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg