OLDENBURG - Für Julián Romero war der Jahresabschluss ein ganz besonderer: Der 16-jährige Argentinier ist zum Schüleraustausch mit dem Gymnasium Eversten seit Anfang Dezember in Oldenburg – und erlebte mit Weihnachten und Silvester gleich zwei große Feste fern der Heimat.
Anders seien die Feiern gewesen, aber auch sehr schön. „In Argentinien gibt es keinen Nikolaus und auch keine Adventskalender“, erzählt Julián. Und der Lambertimarkt habe ihn beeindruckt, auch dass er so plötzlich abgebaut war. „Ich habe den Marktplatz danach gar nicht wieder erkannt“, lacht er.
Gemeinsam mit sechs seiner Mitschüler und einer Lehrerin nimmt Julián an dem Schüleraustausch mit dem Gymnasium Eversten teil. Conrad Ruhe, Schüler der 9. Klasse am GEO, hat ihn aufgenommen und zeigt ihm natürlich auch die Attraktionen der Stadt. Lambertikirche, Schloss und Rathaus gehören dabei selbstverständlich zum Pflichtprogramm. „Oldenburg ist eine große Stadt, hat aber auch viel Natur“, meint Julián.
Sein Heimatort ist um einiges kleiner. Villa General Belgrano liegt im Landesinneren rund 75 Kilometer südlich von Cordoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens. Knapp 7000 Menschen leben dort größtenteils vom Tourismus. Die Menschen besuchen den Ort, um – man höre und staune – Lederhosen und alpine Architektur zu sehen. Die Stadt wird hauptsächlich von Nachkommen deutscher, schweizer und norditalienischer Einwanderer bewohnt und ist dementsprechend geprägt. Juliáns Eltern sind zwar spanischer Herkunft, ihr dortiges Hotel trägt trotzdem den deutschen Namen „Aufenthalt“. Auch die größte Schule im Ort ist eine deutsche. Hier lernt Julián seit vier Jahren die Sprache und kann sich daher schon sehr gut in Oldenburg verständigen.
Trotz der deutschen Tradition seiner Heimatstadt gab es für Julián dennoch viel Neues zu entdecken. Der leckere Oldenburger Grünkohl war ihm ebenso unbekannt wie die Qualität der hiesigen Schokoladenspezialitäten. Ehe ein paar Probleme bereiten ihm dagegen die typischen Tugenden wie Disziplin und Pünktlichkeit. Morgens früh zum Stundenbeginn in der Klasse am GEO zu sein, falle ihm daher nicht immer leicht. Und der Unterricht sei zu Hause lockerer.
Dass es auch mit ein wenig mehr Gelassenheit geht, dass will er Conrad Ruhe bald zeigen. Denn nachdem Julián am 10. Februar wieder in die Heimat geflogen ist, werden ihm Conrad und elf weitere Schüler aus Oldenburg Anfang März folgen. Für vier Wochen werden sie dann Villa General Belgrano und argentinische Lebensart kennen lernen. Und in einem, das werden sie feststellen, hat Julián wohl recht: „Es ist zu kalt in Deutschland“, meint er. Kein Wunder, denn in seiner Heimat ist gerade Sommer – und 30 Grad.
