OLDENBURG - OLDENBURG - Die Welt ist manchmal hart und ungerecht. Im vergangenen Jahr verlor Natalia Perednak (18) ihre Eltern. Sie starben zusammen mit der Großmutter bei einem tragischen Unfall auf der Edewechter Landstraße. Erst kurz zuvor war die Familie aus Russland nach Oldenburg gekommen. Mit einem Schlag waren die 18-jährige Schülerin und ihre Schwester (20) Vollwaisen.

Aber sie war in der schweren Zeit nicht allein. Ihre Klassenkameraden und die Lehrer der Realschule Flötenteich halfen in größter Not.

Nun steht die Abschlussfahrt ihrer 10. Klasse an. Nach London geht die Reise.

Da die Vollwaise kein eigenes Einkommen hat, lebt sie noch Sozialhilfe. Und für die Gewährung besonderer Ausgaben – wie Klassenfahrten – ist die Arbeitsgemeinschaft Oldenburg (Arge) zuständig.

Doch die Behörde interessierten die besondern Umstände Natalias nicht. „Nach Paragraph 23 Absatz 3 SGB II kann nur ein Teilbetrag in Höhe von 204,50 Euro übernommen werden“, heißt es in dem Bescheid. Und: nach „Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse“ sei Natalia selbst in der Lage, die Restkosten zu bezahlen. Immerhin 200 Euro. Geld, dass das Mädchen nicht hat.

„Unerhört“ findet Schulleiterin Gertrud-Maria Beswick das Arge-Vorgehen. „Man sollte sensibler mit dem Thema umgehen“, sagt sie. Auch Klassenlehrer Armin Wildner hat wenig Verständnis: „Wir wollten Kontakt mit der zuständigen Sachbearbeiterin aufnehmen“, berichtet er, „leider erfolglos. Nicht mal eine Antwort haben wir bekommen.“ Und so wollten die Lehrer für Natalia sammeln.

Wildner allerdings schaltete auch die NWZ ein. Die Redaktion hakte bei Arge-Chef Volker Trautmann nach. Und der entschied spontan und völlig unbürokratisch. „Wir springen über unseren Schatten und bezahlen das fehlende Geld“, verspricht er. Zwar seien 400 Euro für eine Klassenfahrt die Bewilligungs-Obergrenze und „ein großer Happen“. Die besonderen Umstände würden aber die Entscheidung letztendlich rechtfertigen, meint Trautmann.

Natalia ist überglücklich: „Ich bin sehr froh, dass ich mitfahren kann“, freut sie sich. Und für etwas Taschengeld in London zücken die Lehrer die Brieftasche . . .