OLDENBURG - OLDENBURG  - Unruhe an vielen Oldenburger Gymnasien: Immer mehr Schüler müssen sich viel zu kleine Räume teilen seit die Obergrenze auf 32 bis 33 Schüler erhöht wurde.

Ein Beispiel: Im Gymnasium Eversten hat die NWZ nachgemessen. Tatsächlich stehen 31 Siebtklässlern und ihrem Lehrer in Französisch gerade 44 Quadratmeter zur Verfügung. Das macht 1,38 Quadratmeter pro Person.

Zum Vergleich: Laut niedersächsischer Tierschutz-Hundeverordnung liegt das Minimum für Vierbeiner in einem Zwinger bei sechs Quadratmetern pro Tier. Größere Hunde sollten sogar mindestens zehn Quadratmeter reine Freifläche in dem Raum zur Verfügung stehen. Die Fläche, die jeder Schüler hat, ist ungefähr so groß wie neun dieser Zeitungsseiten.

Andrea Kahlfeld, Mutter von drei Kindern, sagt: „Meine Tochter hat am Gymnasium Eversten in der sechsten Klasse als zweite Fremdsprache Französisch gewählt. Es sind 32 Kinder. Sie hat bisher auf der Fensterbank gesessen, weil nicht genug Sitzplätze vorhanden waren.“ Jetzt seien vier Tische zusätzlich in den Raum gestellt worden. Am äußersten Rand hinter dem Pult sei der Lehrer aber „kaum zu verstehen“. Ihrer anderen Tochter ergehe es in der achten Klasse genauso. Die Mutter sagt: „Hoher Lärmpegel, schlechte Akustik, übervolle Klassen und alle Kinder, die förderbedürftig sind, fallen flach. Verordnungen, die zu solchen Zuständen führen, sind nicht sinnvoll.“

Aileen aus der siebten Klasse muss sich in ihrer Spanisch-Lerngruppe, die von 35 Schülern besucht wird, zu dritt einen Zweier-Tisch teilen – ihr bleiben 43 Zentimeter. Zwei Schüler, die sich einen Einer-Tisch teilen, haben gerade noch 34 Zentimeter Platz. Aileen sagt: „Es ist eng und stickig hier drin. So kann man nicht gut lernen.“

Auch die Lehrer sind nicht zufrieden. Borchard Meyer-Renschhausen: „Das Aufstocken geht klar zu Lasten der Schüler. Die Lernsituation verschlechtert sich dramatisch.“ Zeit gehe verloren, um Ruhe herzustellen; längst nicht jeder Schüler könne drankommen, für Extra-Fragen bleibe keine Zeit, moderner Unterricht, für den Platz nötig sei, kaum noch machbar. Mehr Räume seien nötig und mehr Lehrer – für Spanisch müsste einer, der zur Verfügung stünde, nur grünes Licht bekommen. Das Problem sieht auch Schulkoordinatorin Dr. Angelika Jacobi-Bettien: „Das ist eine unglückliche Situation. Auch die Luft wird schlecht, denn manche Fenster sind nur zu kippen. Und bei stilleren Schülern fragt man sich nach manchen Stunden: „War der überhaupt da?“