OLDENBURG - Die Leiter der Integrierten Gesamtschulen in Oldenburg sprechen sich für die Weiterentwicklung der Gesamtschulen in ihrer jetzigen Form aus. Wie der Stadtelternrat lehnen Diedrich Smidt (IGS Helene-Lange-Schule) und Hartmut Steinhauer (IGS Flötenteich) die geplante Verkürzung der Schulzeit an der IGS ab, „weil das an die Grundfesten der Gesamtschule geht“, sagt Smidt.
Die beiden Schulen wollen weiterhin Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsame Lernerfahrungen vermitteln. Hartmut Steinhauer: „Die Schulform lebt davon, dass die Kinder gemeinsam unterrichtet werden.“ In einer Gesamtschule für alle Kinder solle auch in Zukunft die Schullaufbahn bis ins neunte und zehnte Schuljahr offen gehalten werden und sich „nicht schon am Ende der Grundschule entscheiden“. Auch die Eltern wollten diese Wahlmöglichkeit behalten.
Die „anerkannt gute Arbeit der Gesamtschulen“ sehen die Schulleitungen „durch die jüngsten Vorschläge aus dem Kultusministerium gefährdet“. Die Verkürzung der Schulzeit für Abiturienten an Gesamtschulen auf zwölf Jahre spalte die Schülerschaft bereits in der fünften Klasse in eine Gruppe, die nach Klasse 9 in die Oberstufe übergehe und jene, die nach Klasse 10 in einen beruflichen Bildungsgang wechselten. Smidt: „Die erste Gruppe muss also schon nach fünf Jahren den Lernstand erreichen, den die anderen erst nach sechs Jahren erreicht haben müssen. Diedrich Smidt: „Dann brauchen wir ab August 2010 ab Klasse 5 getrennte Unterrichtseinheiten, um die gesamte vorgeschriebene Stundentafel und die Inhalte für die späteren Abiturienten unterzubringen.“
So entstehe eine Art „D-Zug“ als eigene, abgespaltene Einheit in der Schule, auf den kaum später noch aufgesprungen werden könne – das Gegenteil von dem, was Gesamtschule eigentlich wolle. Smidt: „Wir entwickeln alle Schüler hier zum bestmöglichen Abschluss und halten das so lange wie möglich offen.“ Die neue Festlegung widerspreche diesem Ansatz total. Der Umstieg werde „deutlich schwieriger“ und der Charakter der Schule ein anderer. Smidt: „Wir beginnen dann früh zu sortieren. Das ist artfremd für diese Schule.“
Hartmut Steinhauer: Gesamtschulen legten „besonderen Wert auf die Vermittlung sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“. Soziales Lernen lebe von der Vielfältigkeit der Lerngruppen und benötige Zeit und Muße. Steinhauer: „Beides ist bei einer verkürzten Schulzeit mit bis zu 34 Wochenstunden Fachunterricht für die Schüler nicht mehr gegeben.“ Für die „Turbo-Schüler“ bleibe keine Möglichkeit mehr, eigene Schwerpunkte entsprechend ihren Fähigkeiten und Interessen herauszubilden.
Betroffen wären von der Aufgabe des gemeinsamen Lernens insbesondere die Jungen, so Smidt. „Dass all jene Schüler, die sich erst später entwickeln, sich wieder fangen können nach einem individuellen Knick, diese Möglichkeit verlieren wir. Es gibt so viele, bei denen es am Anfang erheblich holpert, gerade unter den Jungen.“
Aus Sicht der beiden Schulleiter werde nun – auch wegen der zahlreichen IGS-Initiativen im Land – „die Dreigliedrigkeit auf Kosten der Gesamtschulen gestärkt“. Diedrich Smidt: „Warum macht man nicht die gymnasiale Bildung attraktiver, sondern die Gesamtschulen unattraktiv – warum dieser Negativ-Weg?“
