OLDENBURG - Die Landesregierung hat in ihrem Beschlusspapier zur Bildungspolitik 13 Punkte aufgelistet, die helfen sollen, die Lücken in der Unterrichtsversorgung zu stopfen. Punkt 12: „Wir wandeln die verbliebenen Vollen Halbtagsschulen (7 Prozent aller Grundschulen) in Verlässliche Grundschulen um.“
Doch was für die Landesregierung ein teures Relikt ist, ist für die Schüler eine wertvolle Errungenschaft, die „pädagogisch sehr, sehr sinnvoll ist“, sagt Johann Fischer, der Leiter der Grundschule Dietrichsfeld und kommissarische Leiter der Grundschule Heiligengeisttor. Die Grundschule Dietrichsfeld ist als eine von sechs Grundschulen in Deutschland soeben für den Deutschen Präventionspreis nominiert worden (siehe Meldung links) – „Erfolgsprojekte, die dann so wohl nicht mehr möglich sind“, fürchtet Fischer.
Den Unterschied zur Verlässlichen Grundschule erklärt Hartwig Grote, Leiter der Vollen Halbtagsgrundschule Donnerschwee: „An den Verlässlichen Grundschulen gibt es in der ersten Klasse 20 Wochenstunden. An den Vollen Halbtagsschulen haben wir 27,5 Lehrer-Unterrichtsstunden. Auch in den Klassen 2, 3 und 4 stehen mehr Stunden zur Verfügung – über alle vier Jahre gerechnet 640 Stunden mehr.“ Diese Zeit wird im Sinne der Kinder gut genutzt, sagen die Leiter. Johann Fischer: „Freiarbeit, Werkstattunterricht, Projektunterricht, die Heranführung an das selbstständige Lernen – dafür brauchen sie Zeit.“
Wallschul-Leiterin Irmgard Hornbostel sagt: „Die Grundschule ist für die Kinder Lebensraum, nicht nur Lernraum.“ Zumal die Gesellschaft vieles in die Schulen verlagert habe, auch an Erziehungsanspruch. „Präventionskonzepte, Ich-Stärkung, Bewegungskonzepte, Ernährung – dafür benötigt man Lehrerstunden, nicht Betreuungszeit.“ Das derzeitige „Primat des Sparens“ führe dazu, dass „die Kinder seelisch in der Schule nicht mehr ankommen können“, findet Grote. Allein um künftig auf die drei zentralen Vergleichsarbeiten vorzubereiten, müsse ein großer Teil wertvoller Schul- und Sozialarbeit wegfallen.
