OLDENBURG - Wenn die selbst gebastelten Schultüten rascheln und die neuen Ranzen ihren ersten Einsatz haben, dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Der erste Schultag ist gekommen. Für 1042 Oldenburger Kinder war es am Sonnabend so weit.
In der Hermann-Ehlers-Grundschule begrüßte Schulleiter Reinhard Struß 40 aufgeregte und neugierige Erstklässler, die mit großen Augen zum ersten Mal ihr Klassenzimmer betraten. Nach einem morgendlichen Gottesdienst strömten nach und nach Eltern und Freunde, Großeltern und sogar Urgroßeltern, mit Foto- und Videokameras bewaffnet, in die von Sonne durchflutete Empfangshalle. „Zu meiner Einschulung 1959 verlief alles noch ein wenig simpler“, erinnert sich Struß, „doch im Laufe der Jahre hat dieser besondere Tag an Bedeutung gewonnen.“
Wertschätzung wichtig
In der Tat: die junge Grundschule, die 1996 eingeweiht wurde, füllte sich binnen weniger Minuten mit elterlichem Stolz und kindlichem Gelächter. „Da ist er nun, der Tag der Einschulung und es beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, eröffnete Leiter Struß seine humorvolle und rührende Begrüßungsrede. Natürlich sei Erfolg ein wichtiger Teil des Schulalltags, doch es solle vor allem eine schöne Zeit werden. Wertschätzung und Anerkennung hob er besonders stark hervor. Zwei Eigenschaften, die von Herzen kommen sollten und zwar unabhängig von schlechten Tagen. Die herkömmliche Arbeitsteilung, dass Eltern erziehen und Lehrer bilden, funktioniere heute nicht mehr, so Struß. „Es gibt viele Vorurteile auf beiden Seiten, doch wir sind aufeinander angewiesen und müssen zusammenarbeiten.“
Auf die Frage, was die neuen Schüler der Klassen 1a und 1b später einmal werden wollen, antworten sie unter anderem mit Feuerwehrmann, Rennfahrer, Seiltänzerin und Ballettlehrerin. Und das mit einem Selbstvertrauen, als stünden sie schon mitten im Leben. Wie in jedem Jahr begrüßten die Zweitklässler ihre neuen Mitschüler mit einem traditionellen Theaterstück aus Musik, Gesang und selbst gemachten Masken und Kostümen. Diesmal wurde „Der geheimnisvolle Zettel“ aufgeführt, die phantasievolle Geschichte einer abenteuerlichen Schatzsuche, die mit viel Enthusiasmus vorgetragen wurde und für viel Gelächter sorgte.
Könner und Debütanten
Nach den Festivitäten gab es schon die erste Unterrichtsstunde und rote, blaue und grüne Stifte wurden aus noch unbenutzten Federmappen gezückt. „In den kommenden Wochen geht es darum, dass die Erstklässler ihr Lernumfeld und die neue Schule kennenlernen. Auch Verkehrssicherheitstraining wird neben Schreiben, Lesen und Rechnen auf dem Lehrplan stehen“, so Struß. „Kinder sind immer zwischen Könner und Debütanten“, sagte er, „und Aufgabe der Lehrkräfte wird sein, die Kinder zu fördern und das bereits gewonnene Wissen zu honorieren“. Und wer weiß, vielleicht werden am Ende des Schuljahres auch die Erwachsenen noch was von den ganz Kleinen gelernt haben.
