OLDENBURG - Seminarfach-Schüler des Alten Gymnasiums haben sich in Berlin mit Inge Deutschkron (85) getroffen, die im Mai den von der Stadt Oldenburg verliehenen Carl-von-Ossietzky-Preis 2008 erhalten wird. Im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung hatten Gerda Grebe vom Kulturamt der Stadt und Jörg Witte (AGO) das Treffen in Berlin organisiert. Es fand im Rahmen einer Exkursion zum Seminarfach-Thema „Das Jüdische Berlin“ statt.

Die Journalistin und Schriftstellerin Inge Deutschkron, die bis 2001 in Tel Aviv lebte und Deutschland Korrespondentin der israelischen Zeitung Maariv war, lud die AGO-Schüler zu einer Besichtigung der Blindenwerkstatt von Otto Weidt ein, wo sie von 1941 bis 1943 als Sekretärin arbeitete und von Otto Weidt versteckt wurde, um der Verfolgung und Deportation zu entgehen.

Anfang der 1940er Jahre eröffnete Otto Weidt eine Besen- und Bürstenbinderei. Da Weidt überwiegend an die Wehrmacht lieferte, galt seine Besen- und Bürstenherstellung als kriegswichtige Produktion. So gelang es ihm, durch Bestechung und Passfälschung seine größtenteils jüdischen Mitarbeiter vor den einsetzenden Deportationen zu schützen. 1993 wurde auf Initiative von Inge Deutschkron Weidts Werkstatt in ein Museum umgewandelt, das heute von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand betreut wird.

Sichtlich berührt waren die Schüler von der authentischen Berichterstattung der 85-jährigen Holocaust-Überlebenden über die Verzweiflung, Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bewohner des Oranienburger Viertels. Noch heute engagiert sich die 85-Jährige für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Für das Berliner Grips-Theater schrieb sie das Theaterstück „Ab heute heißt du Sara“ , das auf ihrer Autobiographie „Ich trug den gelben Stern“ basiert.