OLDENBURG - Oldenburg liegt ihm immer noch am Herzen. „Und das gleich im doppelten Sinne“, sagte Dr. Francesco Siclari und schmunzelte über das Wortspiel. Acht Jahre lang – von 1991 bis 1999 – leitete der Italiener die Herzchirurgie am Klinikum. Und nicht nur das: Siclari hat sie in den frühen 90er-Jahren mitgegründet. Zum Festakt „20 Jahre Herzchirurgie“ kehrte der jetzige Leiter des „Cardiocentro Ticino“ aus dem schweizerischen Lugano nach Oldenburg zurück.

Beim Symposium in der Alten Fleiwa blickte er am Sonnabend gemeinsam mit seinem Nachfolger, Prof. Otto Dapunt (54), und vielen Fachkollegen unter den 150 Gästen zurück, aber auch in die Zukunft. „20 Jahre sind gerade in der Medizin eine sehr lange Zeit, in der sich unsere Disziplin rasant entwickelt hat“, bilanzierte Klinikdirektor Dapunt. Dank der Zunahme sogenannter minimal-invasiver Eingriffe könne immer häufiger auf eine große Brustkorböffnung verzichtet werden. „Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand“, sagte er.

Mehr als 43 500 Operationen nahmen die Ärzte seit 1991 vor, mehr als die Hälfte mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine (siehe Info-Kasten). An die Anfänge erinnerte Siclari in seinem humorvollen Vortrag, gespickt mit Fotos aus der Gründerzeit. „Wir standen damals in den zunächst sehr engen und kleinen Räumen vor einer enormen Herausforderung“, erzählte der 61-Jährige. „Aber das hat den Teamgeist gestärkt.“ Auch die Wartelisten für einen Termin seien zu Beginn sehr lang gewesen. Schließlich ist die Herzchirurgie am Klinikum die einzige im Bereich Weser-Ems und versorgt damit rund 1,5 Millionen Menschen. Doch ein Lehrstuhl an der Universitätsmedizin, der „European Medical School“, die zum kommenden Wintersemester in Oldenburg und Groningen startet, sei bislang nicht vorgesehen. „Das ist ein Unding“, schimpfte Dapunt am Rande der Veranstaltung.

Unterstützung erhielt er von Prof. Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover: „Eine Fakultät ohne die Herzchirurgie ist eine amputierte“, kritisierte er. Dapunt verwies zudem auf die „sehr guten Möglichkeiten“ des Oldenburger Herzkreislaufzentrums mit den Kliniken für Herzchirurgie und Kardiologie sowie dem Reha-Zentrum. „Wir jedenfalls wären für den Universitätsbetrieb gerüstet und wollen nicht von der Forschung abgehängt werden“, sprach der Klinikchef deutliche Worte über ein Thema, das ihm besonders am Herzen liegt.