OLDENBURG - Schüler haben es nicht leicht: Fast sieben Kilo wiegt der Ranzen einer Siebtklässlerin am Gymnasium Eversten an diesem Morgen. Die Tasche der Freundin, die in dieselbe Klasse geht, bringt nur 4,6 Kilo auf die Waage. Der Grund: „Ich hab’s gestern vergessen auszusortieren.“ Die Freundin hat einen Teil der Bücher im gemieteten Schulspind gelassen.
Noch gravierender: Die Tasche einer Elfjährigen an der Hauptschule Eversten wiegt elf Kilogramm. Für ihr Körpergewicht dürften es gerade mal fünf sein. Sie sagt: „Manchmal ändert sich der Stundenplan, dann will ich alles dabei haben.“ Aber auch an ihrer Schule würden jetzt Extra-Regale eingerichtet. „Die nutze ich dann“, hat sie sich vorgenommen.
Fast alle Schüler, deren Ranzen und Rucksäcke die NWZ am Mittwochmorgen gewogen hat, waren mit mehr Kilos unterwegs, als die Faustregel empfiehlt: maximal zehn Prozent des Körpergewichts. Selbst auf dem Rad wird der Ranzen oft auf dem Rücken getragen, statt in einem Korb.
Das Gesundheitsamt der Stadt registriert „einen deutlichen Zuwachs von Haltungsschwächen“. Der schwere Schulranzen sei dabei nicht mal der gewichtigste Grund: „Rückenprobleme sind größtenteils durch eine zunehmende Bewegungsarmut der Kinder und durch eine vermehrte statische Belastung der Wirbelsäule im Sitzen vor dem Fernseher oder Computer bedingt“, sagt Dr. Elfriede Hubert, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes. Auch aus Sicht der Ärztin sollte darauf geachtet werden, dass die Schultasche zehn Prozent des Körpergewichts nicht übersteigt und der Ranzen „eng und senkrecht am Körper getragen und auf die Größe des Kindes eingestellt wird“. Abgesehen von der Gewichtsfrage sollten die Eltern auf ausreichende Reflektoren achten, wie sie Taschen mit der DIN-Norm Nr. 58124 erfüllten.
Das Gesundheitsamt hält „Aufbewahrungsmöglichkeiten für jeden Schüler“ in den Schulen für sehr sinnvoll. Bei jüngeren Schülern müssten die Eltern einen Blick auf die Schultasche haben, und die Schulen seien gefordert, sich an den Stundenplan zu halten. Auch für Silke Hambrock (Stadtelternrat) sind schon in Grundschulen „völlig überfrachtete Kinder keine Seltenheit“. Das Einüben sei Sache der Eltern, aber auch Lehrer müssten ihren Blick dafür schärfen und mithelfen. Auch für Elternabende sei das Gewicht ein Thema, sagt der Stadtelternratsvorsitzende Bernd Siegel, „schließlich geht es um die Gesundheit unserer Kinder“.
