OLDENBURG - Viele Schüler haben schwer zu tragen. Nicht immer werden alle Möglichkeiten zur Gewichtseinsparung genutzt.

Von Karsten Röhr

und Christian Quapp

OLDENBURG - Wer sagt denn, dass die Schulkinder heute zu wenig Sport treiben? Zumindest im Gewichtheben sind sie jedenfalls ganz groß: Fast zwölf Kilo wog gestern der schwerste Rucksack, den ein leichtgewichtiger Sechstklässler zur Realschule Alexanderstraße schleppte. Andere Rucksäcke der Elf- und Zwölfjährigen am Schulzentrum Alexanderstraße wogen oft zwischen sechs und acht Kilogramm – ebenfalls weit über den Empfehlungen für Kinder dieser Gewichtsklasse (siehe auch Infokasten).

Kein Wunder, dass Ärzte wie der Orthopäde Dr. Sven-Olaf Meyer „eine Zunahme von Haltungsschwächen“ beobachten. Allerdings bildeten die viel zu schweren Ranzen dabei nur „das Tüpfelchen auf dem ,i‘“, so Meyer. Die Last wiege noch viel schwerer durch den „Sitzmarathon“ und den Bewegungsmangel der Schüler. Meyer: „Sie sitzen in der Schule, vor dem Fernseher, bei den Hausaufgaben und vor dem Computer – da kommen am Tag locker zehn Stunden zusammen.“ Laufen, hüpfen, toben und springen – Fehlanzeige.

Und was bei den Rucksäcken als „cool“ gelte, um sich von den Jüngeren abzugrenzen, sei noch lange nicht empfehlenswert. Die Rucksäcke müssten ergonomisch geformt sein und die Trageriemen richtig eingestellt werden, statt sie „so tief herunterhängen zu lassen, die Schultern nach vorne zu ziehen, den Kopf nach unten und so durch die Gegend zu schluren“. Die Faustregel, dass der Ranzen zehn Prozent des Körpergewichts bei den jüngeren Schülern nicht überschreiten sollte, schafften noch nicht einmal die Grundschüler. Umso mehr müssten Schüler und Eltern darauf achten, dass die Tornister regelmäßig durchgesehen würden und die Kinder „das unnötige Gelumpe zu Hause oder in der Schule lassen“.

So sieht es auch Alois Riesenbeck, Leiter der Haupt- und Realschule Paulusschule: „Wir bieten den Schülern an, dass sie Atlanten und andere schwere Bücher in den abschließbaren Klassenschränken lassen.“ Das Angebot nähmen viele aber nicht an. Riesenbeck: „Viele schleppen den gesamten Bücherbestand der ganzen Woche mit sich herum.“ Da spiele auch Bequemlichkeit eine große Rolle. Der Umgang mit dem Thema sei allerdings auch „von Klasse zu Klasse unterschiedlich organisiert“.

Die Schulsekretärin eines Gymnasiums, die den ganzen Tag die Schüler an sich vorüberziehen sieht, sagte gestern: „Die klappen ja bald zusammen, die Kleinen.“ Auch Wieland Herold, Leiter des Neuen Gymnasiums, findet viele Tornister „ganz schön schwer“. Obwohl es Möglichkeiten gebe, Teile der Buchlast in den Klassen zu lassen oder sich mit bestimmten Büchern abzuwechseln, „schleppt der eine oder andere immer noch sein Gesamtpaket mit“. So macht es auch der 13-jährige Nicolai: „Ich nehme meistens gleich alles mit. Es ist mir viel zu mühsam, alle Bücher immer wieder aus- und einzupacken.“