Oldenburg - Mohammed Juma lächelt. Er sagt Sätze wie „ich bin mega-verliebt in Oldenburg“ oder „meine Zukunft sehe ich in Deutschland“. Der 27-jährige, aus Syrien stammende Mann hat in dieser Woche allen Grund, gut drauf zu sein. Er hat seine Gesellenprüfung im Friseurhandwerk mit der Gesamtnote 3 bestanden. „Ich kenne die Inhaltsstoffe einer Farbe, habe in der Berufsschule Bio, Chemie und Mathe in einer anderen Sprache gelernt. Einige Fachwörter haben 20 Buchstaben. Jetzt bin ich ein Fachmann“, strahlt Mohammed Juma.
Die Flucht aus Syrien hat Mohammed Juma 2015 nach Deutschland geführt. In jenem Jahr starteten die niedersächsischen Handwerkskammern mit Landesgeldern zum 1. November das Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber, kurz: IHAFA. Integrationsberater Hussein Kerri von der Handwerkskammer Oldenburg erinnert sich an die Anfänge: „Nun haben die ersten 20 Teilnehmer ihre Ausbildung bestanden. Das ist ein großer Erfolg.“
Kai Vensler, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer, berichtet von „einem großen Willen der Geflüchteten, in Deutschland anzukommen“. Dazu gehöre das Wissen, wie die duale Ausbildung funktioniert und welche Perspektiven sie bietet. „Das IHAFA-Projekt ist ein sehr guter Wegbegleiter für die Integration. Und wir sehen jetzt: Es ist zu schaffen.“
Seit Projektstart haben sich mehr als 900 Geflüchtete an die Handwerkskammer Oldenburg gewendet. Das Verhältnis von Männern zu Frauen liegt bei 12:1. In Praktika sind rund 500 Personen gegangen und 130 haben ein Langzeitpraktikum, eine sogenannte Einstiegsqualifizierung absolviert. Die duale Ausbildung, das Kernziel des Projekts, haben bislang 220 Geflüchtete begonnen.
Hussein Kerri hat am meisten Gespräche mit Syrern, Irakern, Afghanen und Iranern. „Die hauptsächlich gewählten Berufe sind Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima sowie Friseur und Maler.“ Mohammed Juma hat schon sein nächstes Ziel ins Auge gefasst: die Meisterschule.
