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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Neue Debatte um Landarztquote

08.01.2019

Oldenburg /Hannover Schon jetzt finden viele Hausärzte, die in den Ruhestand gehen wollen, keinen Nachfolger mehr. Niedersachsen müsse weit mehr junge Mediziner ausbilden, findet Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker und weiß mit dieser Forderung zwar auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hinter sich, befeuert aber gleichsam die Debatte um eine Landarztquote.

Die KVN befürworte die Aufstockung der Medizinstudienplätze in Niedersachsen von 200 bis 300 zusätzlichen Plätzen – „in Verbindung mit einer Landarztquote“, fügt KVN-Sprecher Detlef Haffke hinzu. Die Idee, die dahinter steckt: Medizin-Studienplätze für Kandidaten frei halten, die sich bereiterklären, später für eine bestimmte Zeit auf dem Land als Hausarzt zu arbeiten. Ärztekammerpräsidentin Wenker lehnt eine solche Quote ab, spricht sogar von einem „schweren Eingriff in die Berufsfreiheit“. Die KVN indes findet: „Mit der Landarztquote geben wir auch hochmotivierten Bewerbern die Chance, Arzt zu werden, wenn sie keine Traumnote im Abitur haben.“ Über die Ausweitung der Studienkapazitäten und einer „Landarztquote“ hinaus müssen laut KVN weitere flankierende Maßnahmen angeschoben werden. „Wichtig dabei ist die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Landkreisen, um vor Ort die Rahmenbedingungen für Niederlassungen zu verbessern. Und dort, wo es in Zukunft weniger Ärzte geben wird, müssen die Patienten zudem weiterhin in der Lage sein, mit Verkehrsmitteln in die nächste Arztpraxis zu kommen“, betont KVN-Sprecher Haffke gegenüber dieser Zeitung. Nur so werde es gelingen, die große Zahl praktizierender Ärzte, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden, zu kompensieren.

Die Uni Oldenburg sieht sich unterdessen bei der Mediziner-Ausbildung in den kommenden Jahren gut aufgestellt. „Wir begrüßen die Forderung nach zusätzlichen Medizin-Studienplätzen in Niedersachsen und die Weichenstellungen des Landes. Schon zum kommenden Wintersemester werden wir die Anzahl der Medizin-Studierenden an unserer Universität von 40 auf 80 Studienanfänger verdoppeln. In den nächsten Jahren plant das Land den gestuften Ausbau auf insgesamt 200 Studienanfänger pro Jahr in Oldenburg“, erklärt Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften, und fügt hinzu: „Unser primäres Ziel ist es, im Nordwesten Niedersachsens hochqualifizierte medizinische Versorgung vorzuhalten und in der Fläche abzusichern.“

Wissenschaftsminister Björn Thümler (Berne/Wesermarsch) betont unterdessen: „Wir arbeiten daran, die Studienkapazitäten im Bereich Humanmedizin in Niedersachsen auszubauen. Klar ist aber auch, dass sich zusätzliche Kapazitäten nicht über Nacht aus dem Boden stampfen lassen. Und sie kosten viel Geld: Die insgesamt 100 zusätzlichen Plätze in Oldenburg und Braunschweig werden das Land jährlich rund 20 Millionen Euro kosten.“

Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315
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