OLDENBURG/HANNOVER - Der starke Bewegungsdrang führt zu Schulproblemen. Einige Kinder bekommen zur Beruhigung Medikamente.
Von Christian Bartsch
OLDENBURG/HANNOVER - Nur zwei Wochen hat es gedauert, bis die Schule sich zum ersten Mal gemeldet hat, erinnert sich Martina van den Hooven. Das war im vergangenen August, ihr Sohn Felix (6) war gerade eingeschult worden. Dabei hatten wir vorher gesagt, dass Felix ADHS hat, wundert sich sein Vater, Christian van den Hooven.Ihr Sohn sei noch zu verspielt, sitze nicht still und störe den Unterricht, hieß es. Die Empfehlung war, ihn bis zum Sommer wieder in den Kindergarten zu geben, berichtet Mutter Martina, dabei ist das kein Spieltrieb, sondern Bewegungszwang. Sich lange auf eine Sache zu konzentrieren, fällt Felix schwer. Ständig ist er in Bewegung.
Als er fünf Jahre alt war, hat ihn ein Kinderpsychologe ausführlich getestet. Das Ergebnis: Felix hat ADHS und einen Intelligenzquotienten über dem Durchschnitt. Ohne Erfolg versuchten die van den Hoovens, ihr Kind an anderen Schulen unterzubringen. Auch ein adäquater Kindergartenplatz ist nicht in Sicht. Sicher stört Felix oft den Unterricht, wissen seine Eltern, aber irgendwo muss er doch zur Schule gehen. Er besucht weiter seine bisherige Schule, bekommt jedoch nun ein Medikament, das seine Hyperaktivität dämpft. Eine schwere Entscheidung für die Eltern. Christian van den Hooven hat vor seinem Sohn zwei der Tabletten selbst getestet: Da war ich ganz schön benebelt.
Die Stadt Oldenburg verwies als Schulträger auf Anfrage der NWZ auf die städtische Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Donnerschweer Straße 43. Für Auskünfte über den Umgang der Regelschulen mit ADHS-Kindern sei das Landesschulamt zuständig.
Förderschulen und Medikamente sind nach Ansicht von Dr. Peter Wachtel, Referent für sonderpädagogische Förderung im niedersächsischen Kultusministerium, erst das Ende einer Kette von vorhergehenden Bemühungen. Kinder mit Problemen im emotionalen und sozialen Bereich gebe es in allen Schulformen. Alle Kinder hätten ein Recht auf die Schulform, die ihrer Leistung entspreche. Die Lehrer müssen Strategien des Umgangs entwickeln und Eltern, Mitschüler und Fachleute einbinden, verlangt Wachtel. Herausforderndes Verhalten nimmt zu, weil die Gesellschaft immer weniger erzieherische Kraft hat.
