OLDENBURG - Ihnen schwebt die große Karriere vor, als Ärztin oder Informatiker. In den kommenden Jahren werden sie ihr Abizeugnis in den Händen halten. Ihre Namen sind Alwina, Mohssen, Dimitri, Gökhan und Evin – Schüler mit Migrationshintergrund, die zur künftigen Elite Deutschlands zählen können. Die Zugangsberechtigung für die Universität erwerben momentan 135 Schüler in den späten Stunden. Jeden Tag von 18 bis 21 Uhr pauken sie Deutsch, Englisch, Politik oder Mathe. Sie besuchen das Abendgymnasium in Eversten. „Später würde ich gerne Rechtsmedizinerin werden“, erzählt Deutschtürkin Evin Tolan (21). Ihre Cousine ist Ärztin, auch sie erwarb ihr Abitur am Abendgymnasium.

„Die jungen Menschen, die sich hier anmelden, sind karrierebewusst. Wir fangen die Ausländer auf, die in den Schulen nicht ausreichend gefördert wurden, aber eigentlich mehr können“, erklärt Lehrer Wolfgang Hohnstock.

Auch Gökhan Yildirim hat in seinem Leben viel vor. Wichtig ist ihm jedoch ein Vorbild zu sein – für seine künftige Familie. Zu zeigen, dass alles möglich ist, wenn man will. „Ich hatte immer Probleme mit den Hausaufgaben. Die Lehrer halfen mir nicht. Es war mein eigenes Pech, wenn ich in der Schule nicht mitkam. Schließlich erhielt ich nur einen Hauptschulabschluss“, erzählt der 21-Jährige. Doch das war nicht, was er wollte. „Als ich noch in der Türkei lebte, wollte ich Polizist werden. Dann zog ich mit meiner Familie nach Deutschland, kam in die achte Klasse, sprach kein Wort Deutsch und kam nicht mit“, erinnert sich Gökhan. Er erfuhr vom Abendgymnasium und meldete sich an. Studieren will er, aber was, weiß er noch nicht.

Dimitri Malkow hat schon eine Vorstellung: „Ich will in die Forschung, vielleicht Informatiker werden. Dafür möchte ich Mathematik studieren, damit kann ich alles machen“, sagt der blonde 23-jährige Russe.

Die Lehrer kommen bei den Schülern sehr gut an, sind hilfsbereit. Der Unterricht ist anders. „Uns werden keine Steine in den Weg gelegt. Die Lehrer hören uns zu, erklären auch nach der Stunde die Dinge“, meint der Iraner Mohssen Assanimoghaddam (25). Untereinander verstehen sich die jungen Menschen auch gut. Assanimoghaddam: „Wir sind keine Kinder mehr, die sich cool zu fühlen brauchen. Wir sind erwachsen und lernen auch voneinander.“

Mehr Infos übers Abendgymnasium unter www.uni-oldenburg.de/AbG, www.abendgymnasium-online.de/moodle