OLDENBURG - Angst bestimmte sein Leben in Oldenburg über lange Zeit. Nachdem das Verwaltungsgericht im Frühjahr 1999 auch den letzten Asylantrag abgelehnt hatte, drohte Bahattin Aslan, seinen drei Geschwistern und seinem Vater die Abschiebung in die Türkei, wo ihnen nach Einschätzung von Experten Gefahr für Leib und Leben drohte. Die kurdischen Flüchtlinge retteten sich ins Kirchenasyl.
Sechs Monate lang beherbergte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Osternburg die Familie. Eine Unterstützergruppe betreute die Aslans. Letztlich wurde die Abschiebung verhindert – und Bahattin Aslan blieb in Oldenburg. „Es ist eine kleine, aber feine Stadt. Hier fühle ich mich wohl“, sagt er. Durch sein ehrenamtliches Engagement erwarb er sich große Anerkennung. Vor gut vier Wochen wurde der 35-Jährige bei einerNWZ
-Aktion für seine Verdienste als Oldenburger des Jahres ausgezeichnet.Bahattin Aslan stammt aus Nusaybin. Die Stadt im Südosten der Türkei liegt an der syrischen Grenze. Seine Familie unterstützte die kurdische Befreiungsbewegung, indem sie beispielsweise Informationen weitergab. „Mein Vater wurde wiederholt verhaftet und gefoltert“, erzählt Bahattin Aslan, der auch selbst bedroht und geschlagen wurde.
1992 floh zunächst sein Vater nach Deutschland. Der Rest der Familie folgte Anfang 1995. Damals war Bahattin Aslan 17 Jahre alt. Ein sogenannter Schlepper brachte die Familie zusammen mit anderen Kurden über viele Umwege nach Deutschland.
Emden war das Ziel, „weil dort bereits mein Vater lebte“, so Bahattin Aslan. Anstatt in Ostfriesland landete die Familie in Oldenburg in der Asylbewerberunterkunft Blankenburg. „Dieses halbe Jahr war die schlimmste Zeit für mich.“
Lehre als Kfz-Mechaniker
Letztlich kam es zu der ersehnten Familienzuführung in Emden. Bahattin ging dort weiter zur Schule und begann im Anschluss eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker.
Kurz vor dem Ende der Lehre sollte die Familie abgeschoben werden. Es folgte die Zeit im Kirchenasyl. „Zuerst flohen wir unter Angst aus der Türkei, dann reisten wir mit Angst aus Emden ab“, erinnert sich der Kurde an die schwierige Zeit.
Mit der Anerkennung als politisch verfolgter Asylbewerber schloss Bahattin Aslan seine Ausbildung vor zwölf Jahren ab. Dabei beließ es der ehrgeizige Oldenburger aber nicht. Tagsüber schraubte er an Autos, und abends drückte er weiter die Schulbank. Am Oldenburg-Kolleg holte er sein Abitur nach und zeigte schon dort sein vielfältiges soziales Engagement.
2006 schrieb er sich an der Carl-von-Ossietzky-Universität ein, um ökonomische Bildung und Sozialwissenschaften zu studieren. Den Abschluss schaffte er mit der bemerkenswerten Note von 1,1.
Der angehende Haupt- und Realschullehrer, der seit 2004 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und derzeit in Varel sein Referendariat absolviert, engagierte sich neben dem Studium in verschiedenen Bereichen. Verständigung zwischen den Kulturen liegt ihm am Herzen. Für eine Amtsperiode (2007-2008) übernahm er an der Universität im Allgemeinen Studentenausschuss die Funktion des Antirassismusreferenten.
Im Stadtjugendring aktiv
In unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bereichen machte Bahattin Aslan nachhaltig auf sich aufmerksam. Ein Jahr lang wirkte er als Bundessprecher der sozialistischen Jugend. Und von 2007 bis 2011 leitete er als Vorsitzender den Stadtjugendring. Die Organisation ist ein freiwilliger Zusammenschluss von 18 angeschlossenen Jugendverbänden und Gruppen. Der Stadtjugendring vertritt die Interessen und Anliegen der Verbände gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Sich zu engagieren sei wichtig, so Aslan, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der man sich wohlfühle. Der quirlige Mann tut dafür einiges. Bildung und Integration sind seine Schwerpunkte. Für die städtische Agentur Ehrensache kümmerte er sich beispielsweise als Bildungspate um Jugendliche mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus gibt er Integrationskurse, und seit drei Jahren arbeitet er als Vertrauensperson bei der Initiative Studienkompass der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.
Zeit zum Entspannen finden der Fan der Science-Fiction-Sage „Star Wars“ beim Sport und bei Gesprächen mit Freunden. Eine neue Aufgabe ist aber gerade erst hinzukommen. Aslan gehört zu den beratenden Mitgliedern des städtischen Integrationsausschusses.
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