OLDENBURG - Seit 50 Jahren verhilft das Abendgymnasium Erwachsenen neben ihrer Arbeit mit dem nachgeholten Abi-Abschluss zu ganz anderen Berufschancen. Die Schule ist seit vielen Jahren auch ein gutes Beispiel für die Integration von Ausländern. Davon machte sich die städtische Integrationsbeauftragte Ayca Polat kurz vor der großen Jubiläumsfeier, zu der auch Kultusminister Bernd Althusmann am 3. September erwartet wird, ein Bild. Lehrer Wolfgang Hohnstock sagt: „Hochmotivierte und leistungsstarke Schüler mit Migrationshintergrund machen heute rund 20 Prozent unserer Schülerschaft aus.“

Eine Schülerin sagt: „Meine Mutter kann nach 25 Jahren in Deutschland noch nicht allein zum Arzt gehen, weil sie sich nicht richtig verständigen kann.“ Die Tochter will es ganz anders machen und hat sich nach einer unbefriedigenden Schulkarriere mit Lehre und Berufstätigkeit entschlossen, das Abendgymnasium zu besuchen, sich gründlich umzuorientieren und zu studieren.

Von der Ukraine über Russland, Polen, der Türkei, dem Irak, Angola und Indien reicht der geografische Bogen der Schülerschaft des Abendgymnasiums. Die Schule leistet erfolgreich ihren Beitrag, „um den in der öffentlichen Diskussion beklagten Mangel an Akademikern, dem Fachkräftemangel und dem allgemeinen Zurückbleiben von Einwanderern in Deutschland zu begegnen“, sagt Hohnstock. Dazu brauche die Schule aber auch Partner, die diesen Weg unterstützten. Potenziale müssten gebündelt werden, um die Möglichkeiten für diese Gruppe zu verbessern.

Dabei waren sich alle Teilnehmer des Gesprächs darin einig, dass die Beherrschung der deutschen Sprache der Schlüssel zum Erfolg ist. Dabei fehle es u.a. an Deutschkursen auf höherem Niveau für Bürger mit Migrationshintergrund. Hürden seien auch fehlende Informationen über die Angebote des Bildungssystems bei den Eltern sowie kulturelle Hindernisse wie die frühzeitige Ehe der Mädchen, die mit einer modernen, aufstiegsorientierten Gesellschaft nicht vereinbar sei.

Die Initiative des Landes „Migranten werden Lehrer“ wurde von den Teilnehmern sehr begrüßt. Sie können als Lehrer nichtdeutscher Herkunft „Vorbildfunktion übernehmen, problematische Entwicklungen entschärfen und Integration befördern“, sagte Hohnstock.