OLDENBURG - Er war ein sehr respektabler Zehn- und Zwölfkämpfer, und er hat alles dafür getan, dass ein ganzes Land in Bewegung geriet: über Aktionen wie die Einführung der Trimm-Dich-Parks und über eine moderne Sportlehre. Nun soll nach genau 100 Semestern (!) Lehrtätigkeit Schluss sein: Professor Dr. Jürgen Dieckert (73) beendet seine aktive Laufbahn als Sportwissenschaftler an der Universität Oldenburg.

Am Donnerstag empfing ihn die kommissarische Präsidentin Dr. Heide Ahrens im Präsidium der Universität und sprach ihm Dank „für seine großartigen Verdienste sowohl für die Universität als auch für den Sport insgesamt“ aus. Dieckert sei quasi „der Vater des Breitensports“. Er habe in den 70er Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Verständnis über Sport geändert habe und sich nicht nur über den Leistungssport definiere. Dass heute viele Menschen Sport regelmäßig, aber nicht leistungsorientiert betreiben, sei sein Ziel gewesen und habe sich „in der neu konzeptionierten Lehrerausbildung sehr erfolgreich niedergeschlagen“.

Jürgen Dieckert, der 2003 emeritiert wurde, sagte: „Es ging um die Akzeptanz eines neuen Sportbegriffs.“ Der habe sich sogar äußerlich niedergeschlagen: an der Universität mit „modellartigen Neubauten mit Zugang zu Leben, Licht, Natur, auch mit Bäumen hinter den Fußballtoren, duftenden Büschen an der 400-Meter-Bahn und einer Sporthalle mit natürlichem Licht von drei Seiten und dem Blick ins Grüne – zu einer Zeit der sterilen, fensterlosen Sportbunker“. Die Sportwissenschaften sind für ihn bis heute ein Herzstück der Universität.

Als junger Student erhielt Dieckert 1958 seinen ersten Lehrauftrag für Geräteturnen in der Sportlehrerausbildung an der Uni Göttingen, wo er Sport und Germanistik studierte. Bereits mit 33 Jahren, nach seiner Promotion an der Universität des Saarlandes, wurde er an die Pädagogische Hochschule in Oldenburg gerufen, wo er sich früh einen Namen machte, eben auch als erfindungsreicher Werber für den Freizeitsport.

Dieckert, der auch in Brasilien lehrte und über die Spiel- und Bewegungskultur der Canela-Indianer forschte, trat 1990 als Präsident an die Spitze des Deutschen Turner-Bundes, den er zehn Jahre führte. Von 1993 bis 2002 war er Präsidiumsmitglied des Nationalen Olympischen Komitees. Der Oldenburger wurde u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Er engagiert sich nach wie vor, etwa für die angesehene Aktion „Kids Aktiv“. Nun will er aber endlich mehr Zeit für seine Frau Barbara haben. Seit 51 Jahren sind die beiden verheiratet. Das Paar hat vier Kinder und acht Enkel.

Universitätssprecher Gerhard Harms dankte Dieckert ebenfalls: „Er hat die Universität sehr früh über die Region hinaus bekanntgemacht, und er hat sie weit getragen.“