OLDENBURG - Das Jubiläum wird morgen gefeiert. Mit einem Gottesdienst in der Peterkirche beginnen die Feierlichkeiten.

Von Rainer Dehmer

OLDENBURG - Damals kostete die Ausbildung noch Geld: Vor Beginn des ersten Kurses im Oktober 1929 mussten die elf Schülerinnen der neu gegründeten Krankenpflegeschule im Pius-Hospital jeweils 100 Reichsmark für die ersten zwölf Ausbildungsmonate zahlen. Die restlichen sechs Monate der anderthalbjährigen Ausbildung waren dann allerdings kostenlos. An die Anfangsjahre der Schule, die im Oldenburger Land zu den ältesten ihrer Art zählt, wird am morgigen Donnerstag erinnert, wenn das Pius-Hospital – mit gut drei Monaten Verspätung – das 75-jährige Bestehen der hauseigenen Einrichtung feiert. Im Anschluss an den um 18 Uhr beginnenden Gottesdienst in der Peterkirche wird es im PFL einen Empfang für geladene Gäste geben.

Die Ausbildung der Krankenschwestern und -pfleger lag über fünf Jahrzehnte hinweg bei den Ordensschwestern der Ordensgemeinschaft der Clemensschwestern zu Münster. 1980 zog der Orden seine Schwestern jedoch ab, weil es in den eigenen Einrichtungen an Personal mangelte. Bis dahin leitete Clemens-Schwester M. Sophia die Schule. Ihr Nachfolger, Werner Anneken, hat diesen Posten bis heute inne.

Seinen Angaben zufolge sind die Ausbildungsplätze nach wie vor begehrt. Jährlich landen auf seinem Schreibtisch 400 bis 500 Bewerbungen von jungen Leuten aus der gesamten Region. In den 80er Jahren seien es auch schon mal bis zu 1200 Bewerbungen gewesen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seit dem Ausbildungsjahr 1929/30 haben 1266 Krankenschwestern (darunter 73 Ordensschwestern) und -pfleger an der Schule ihr Examen abgelegt. „Wer hier gelernt hat, hat das notwendige Rüstzeug, um auch in schwierigen Zeiten auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen“, ist sich Anneken mit Pius-Geschäftsführer Dr. Robert Riefenstahl („Pflege spielt bei uns seit jeher eine entscheidende Rolle“) einig.

Das Pius-Hospital selbst stellt gerne seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler ein. Derzeit kommen laut Anneken mehr als 200 examinierte Pflegekräfte (weit mehr als 50 Prozent) aus der eigenen Krankenpflegeschule. Bedarf an guten Pflegekräften gebe es z.B. auch in Altenpflegeheimen und Sozialstationen. Überdies böten sich viele Möglichkeiten zur Spezialisierung.

Das Aufgabenfeld hat sich in den vergangenen 75 Jahren enorm gewandelt: Früher dauerte die Ausbildung zwei Jahre und beinhaltete lediglich 200 Stunden theoretischen Unterricht. Heute stehen 2100 Stunden Theorie auf dem Lehrplan. Und die Ausbildung dauert drei Jahre. Es lassen sich auch immer mehr Männer ausbilden. Anneken: „Dieser Anteil liegt bei 10 bis 15 Prozent.“