Oldenburg - 600 Kurse und 8000 Teilnehmer im Jahr – 80 Prozent von ihnen sind Frauen, 186 Honorarkräfte als Kursleiter und 64 ehrenamtliche Helfer – die Evangelische Familienbildungsstätte in Oldenburg bewegt im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens Einiges und Einige. Und sie stellt sich den sich verändernden Bedingungen, denen Familien heute ausgesetzt sind, sagt die Leiterin Hiltrud Boomgaarden.

Anders als vor 50 Jahren, als es vor allem darum gegangen sei, ein gesundes Aufwachsen der Kinder zu gewährleisten, suchten sich Familien, Väter und Mütter heute einen Weg durch vielfältige Lebens- und Familienmodelle. Sie müssten sich mit diversen Anforderungen und Rollen auseinandersetzen und würden nicht zuletzt durch eine kaum zu bewältigende Menge von Informationen verunsichert. Gleichzeitig gebe es für all das immer weniger Zeit, da heute Männer und Frauen gleichermaßen im Beruf stünden. Auch darauf müsse sich die Evangelische Familienbildungsstätte einstellen. Deshalb habe man beispielsweise einige Angebote auf den Sonntag gelegt. Seit dem vergangenen Jahr sei man nun auch ein Familienzentrum, das offene und niederschwellige Treffen und Gesprächsangebote anbieten könne. Das sei weniger bindend als die Teilnahme an Kursen. „Wir schaffen einen Raum, in dem man über all das nachdenken, reden und sich austauschen kann“, so Boomgarden. Die Begegnung spiele dabei eine ebenso große Rolle wie die Bildung. Das gelte ganz stark auch für die zahlreichen Kurse, seien es Kreativ-, Koch- oder Bewegungsangebote. Die Kursleitung achte stark darauf, dass aus der Gruppe auch eine Gruppe werde. „Hier entstehen Kontakte und Freundschaften, die ein Leben lang halten“, sagt die Leiterin. Die Statistik zeige, dass besonders viele Teilnehmer direkt nach der Geburt der Kinder kämen. Und wenn die Kinder aus dem Haus seien, kämen viele wieder auf die Angebote der Bildungsstätte zurück.

Wichtig sei der Familienbildungsstätte die ausdrückliche Einbeziehung der Männer. „Zu einer Familie gehören Mutter und Vater.“ Und auch hier gibt es Bedarf. Angebote wie die Väter-Kind-Treffen an den Samstagen würden so gut angenommen, dass man immer wieder über eine Ausweitung nachdenke.

Die Zugehörigkeit zu einer Religion spielt bei der Arbeit in der Evangelischen Familienbildungsstätte keine unmittelbare Rolle. „Wir vermitteln Werte, aber wir bewerten nicht und wir missionieren erst recht nicht“, betont Kirstin Moss, stellvertretende Leiterin. Wichtig sei aber der Dialog zwischen den Religionen. „Unsere Haltung ist, dem anderen mit Respekt zu begegnen. Das beinhaltet auch, ihm seinen Glauben zu lassen.“

Ein echter Gewinn sei der Umzug in die neuen Räume in der Gorch-Fock-Straße gewesen, sagt Boomgaarden. Im alten Domizil in der Haareneschstraße seien zu beengt gewesen, dazu ungewiss, wie es mit dem maroden Gebäude weitergehen werde. In der Tat ist das Haus mittlerweile abgerissen worden. Die höhere Miete am neuen Standort wird von Kirche, Förderverein und Stadt gemeinsam getragen. Aber auch die Bildungsstätte hat ihren Teil dazu beigetragen. An die 200 000 Euro wurden im Vorfeld durch diverse Aktionen erwirtschaftet. Besonders gut angekommen sei der Kuchen in der Flasche – eine Backmischung, präsentiert in einer Glasflasche.