OLDENBURG - Lehrer, Hebammen und Ärzte arbeiten selten im Team und sind deshalb oft überfordert, wenn sie Zeichen von Kindesmisshandlung erkennen. Ist ihr Verdacht gerechtfertigt? An wen sollen sie sich wenden? Welche Möglichkeiten der Hilfe gibt es?
Um diese Fragen nicht ins Leere laufen zu lassen, will das Koordinierungszentrum Kinderschutz Oldenburg verstärkt auf Schulen und Gesundheitswesen zugehen. „Die Vernetzung ist wichtig, um Kinder besser zu schützen“, sagte am Mittwoch Stadtrat Martin Schumacher. Lehrern, Ärzten und Hebammen sollten „klare Abläufe an die Hand gegeben werden, wie bei Verdacht gehandelt werden kann.“ Dazu soll es u.a. detailliertes Infomaterial und Fortbildungen geben. Hintergrund ist eine Erhebung von Professor Wilfried Hackmann von der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven. Er hatte in einem Forschungsprojekt Kooperationspartner des Kinderschutzes befragt. Anders als die per Vertrag eingebundenen Partner der Jugendhilfe (u.a. Kindergärten) sind Schulen und Gesundheitswesen freiwillig dabei und haben bislang kaum Zugang zu Fortbildungen – was nach Hackmanns Erhebung zur Verunsicherung beiträgt: „Es fehlen ihnen standardisierte Formen der Risikoeinschätzung.“
Das kann nach Ansicht der Stadt so nicht bleiben: „In den Schulen erreicht man alle Kinder – das müssen wir nutzen“, sagte Oldenburgs Jugendamtsleiter Frank Lammerding. Petra Bremke-Metscher, Leiterin des Koordinierungszentrums, ergänzte: „Gerade in der Situation nach der Geburt kann in Kliniken oder von Hebammen eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls erkannt werden. Da gilt es anzusetzen.“ Wenn Ablaufketten für erfolgreiches Eingreifen vorlägen, sei vieles gewonnen. Auch für Mediziner und Lehrer seien Checklisten hilfreich. „Manchmal hilft es Medizinern schon, wenn sie erfahren, dass sie bei einer Kindeswohlgefährdung nicht an ihre Schweigepflicht gebunden sind“, berichtete Professor Hackmann.
Das Koordinierungszentrum wurde 2007 gegründet und wird für drei Jahre mit insgesamt 240 000 Euro vom Land gefördert. Die Ergebnisse sollen anderen Kommunen zur Verbesserung ihrer Netzwerke dienen.
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