OLDENBURG - „Wir beobachten auf Elternabenden, dass der Medienkonsum der Schüler zugenommen hat“, sagt Hartwin Preussner, Jugendschutzbeauftragter der Stadt Oldenburg. „Das liegt eigentlich in der Verantwortung der Eltern, aber für die ist es oft schwierig, konsequent Zeiten und Inhalte vorzugeben.“
Damit die Kinder einmal selbst erfahren, wie man sonst noch seine Freizeit verbringen kann, übten sich 19 Klassen an fünf Oldenburger Schulen im Rahmen eines Jugendamt-Projektes im Verzicht: „Zehn Tage ohne Fernseher und Computerspiele“.
Die Teilnahme an dem Projekt war freiwillig. Trotzdem nahmen viele Kinder die Herausforderung an. Neben den Grundschulen Alexandersfeld, Haarentor, Etzhorn und Lerigauweg beteiligte sich sogar eine fünfte Klasse des Herbartgymnasiums.
An der Haarentorschule verzichteten 95 Prozent aller Schüler auf Fernseher und Computer. Die meisten haben sie kaum vermisst. „Mir hat das gut gefallen“, sagt Målen (7), „ich habe viel gemalt und gespielt.“ „Ich habe mir viele Bücher ausgeliehen“, fügt Paulinus (7) hinzu. Nur wenige Kinder der Haarentorschule haben sich bewusst gegen das Projekt entschieden: „Ich habe Lieblingssendungen, an die ich mich so gewöhnt habe, dass ich nicht darauf verzichten wollte“, erklärt Nina (7).
Gudrun Ahrens, Klassenlehrerin an der Grundschule Lerigauweg, sieht das Projekt als Chance für die Familie und ein stärkeres Miteinander. „Es ging darum, sich über den Medienkonsum bewusst zu werden“, sagt sie. „Das Traditionelle rückte in den Vordergrund.“ So verbrachten laut Erzählungen der Schüler viele Familien mehr Zeit mit gemeinsamen Spielen, Kuscheln, Lesen und Vorlesen.
Die Tage seien ihnen viel länger vorgekommen, berichtet Klassenlehrerin Susann Finger-Vosgerau von der Grundschule Etzhorn. Die gewonnene Zeit haben die Schüler genutzt, um mehr zu lesen und zu spielen. Bei besonders interessanten Sendungen sind zwar einige rückfällig geworden. Aber: „Man hatte mehr Zeit zum Spielen, und ich habe mich frei gefühlt“, resümiert ein Schüler in seinem Abschlussbericht.
