OLDENBURG - OLDENBURG - Für viele Schüler der Oldenburger Gymnasien ist die Schulzeit endlich vorbei. Auch Dr. Oskar Negt war 1955 froh, die Hindenburgschule (die heute Herbartgymnasium heißt) hinter sich zu lassen. „Ich war kein guter Schüler“, gab er gestern in seiner alten Schule zu. „Nach heutigen Standards hätte ich gar kein Abitur bekommen dürfen“, schmunzelte er.
Doch durch sein Auftreten machte er jenen Mut, die ebenfalls nicht überdurchschnittlich abgeschlossen haben: Nach dem Studium der Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main promovierte der heute 71-Jährige bei Theodor W. Adorno. Nach seiner Assistentenzeit bei Jürgen Habermas wurde er 1970 auf den Lehrstuhl für Soziologie der Universität Hannover berufen.
Zum ersten Mal seit 50 Jahren traf er seine ehemaligen Mitschüler und auch den Klassenlehrer wieder. „Ich hätte damals gerne die Abiturrede gehalten“, berichtete der Sozialphilosoph, „doch der Klassenlehrer entschied sich für den Primus. Heute kann ich mich endlich ein wenig revanchieren“, sagte er lachend.
Als ein Schüler, „der viel Glück, aber auch eine sehr beschwerliche Schulzeit“ gehabt habe, forderte Negt „Nachsicht für langsamere Schüler“. „Es kommt heute mehr darauf an, eigene Stärken und Interessen entwickeln zu können.“ Erst dadurch würde „eine enge Bindung zur eigenen Schulzeit“ entstehen.
