OLDENBURG/LANDKREIS - Brigitte Hoffmann hat eine Schule aufgebaut. Dort lernen missbrauchte Mädchen.
Von Jens Joest
OLDENBURG/LANDKREIS - Die jüngste Mutter, der Brigitte Hoffmann geholfen hat, war zwölf Jahre alt. Das Mädchen hatte am Straßenrand in Ho für wenige Cents Orangen verkauft – und war vergewaltigt worden. „Viele Mädchen, die in Ghana an der Straße sitzen, werden missbraucht“, berichtete Brigitte Hoffmann gestern in der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg. Für diese Mädchen hat die Wilhelmshavenerin eine Schule aufgebaut. Ihr kommt der Erlös der Adventsaktion 2005 des Landkreis-Gymnasiums zu – 1000 Euro.Im Dezember hatten Schüler selbst gebackene Plätzchen verkauft. Die Einnahmen der alljährlichen Aktion werden an wechselnde Projekte gependet. Im vergangenen Jahr entschied sich der Schülerrat für die Schule in Ho, die Niels-Christian Heins, der Klassenlehrer der 6c, vorgeschlagen hatte.
20 junge Mütter können pro Jahr die Schule in der 70 000-Einwohner-Stadt besuchen. Dort lernen sie, ihre Muttersprache Ewe zu schreiben. Außerdem lernen sie die ghanaische Amtssprache Englisch, sie rechnen, handarbeiten oder werden aufgeklärt. „Wir wollen die Mädchen in die Lage versetzen, dass sie nach einem Jahr für sich selbst sorgen können“, sagt Brigitte Hoffmann. Zum Beispiel verkaufen die jungen Mütter dann Häkelarbeiten, bieten Kuchen oder eine warme Mahlzeit an.
1995 war Brigitte Hoffmann zum ersten Mal in Ho, wo ihr Mann Hans im Auftrag der Norddeutschen Mission Bremen die Verwaltung der lokalen evangelischen Kirche neu strukturierte. Ein Jahr später sollte Brigitte Hoffmann nach einer Kranheit in Kur gehen, die Verwandten hatten bereits 10 000 Mark dafür gesammelt.
Die aber hat Brigitte Hoffmann in den Schulneubau investiert. „Nicht alle in der Familie waren begeistert“, erinnert sich die 69-Jährige, „aber für mich ist die Schule eine Lebensaufgabe geworden.“
Inzwischen hilft die Familie mit, dass Brigitte Hoffmann jedes Jahr 5000 Euro zusammenbekommt, um die laufenden Kosten der Einrichtung in Ghana zu decken, auch Freunde und Nachbarn sammeln. Und eben die Graf-Anton-Günther-Schüler, die nun mithelfen, dass junge Mütter in Ho ebenso zur Schule gehen können wie sie.
124 Frauen haben bisher diese Chance bekommen. Viele haben sie genutzt: Heute haben 80 von ihnen einen regelmäßigen Verdienst.
