OLDENBURG - Bald wechseln die Viertklässler auf ihre neuen Schulen. Grundschullehrer berichten vom Druck, den Eltern auf sie ausüben in der Sorge, dass ihre Kinder dort keinen optimalen Start haben könnten, oft mit Blick auf das junge Grundschulfach Englisch, das seit gut sieben Jahren ab der dritten Klasse unterrichtet wird.
Die Unruhe kommt auch bei den Gymnasien an, in denen die Schüler einen Sprung von zwei auf fünf Wochenstunden machen. Günter Tillmann, Leiter des Herbartgymnasiums (HGO), bestätigt: „Wir machen uns Gedanken, gerade was das Fach Englisch angeht.“ Dabei gehe es insbesondere um eine bessere Abstimmung der Schulen, die aber nun angeschoben sei.
Veronika Riesebieter, Fachobfrau für Englisch am HGO, sagt: „Wir haben beobachtet, dass viele Eltern große Furcht vor dem Übergang in Englisch haben. Ich denke aber, dass die Angst nicht nötig ist.“ Viele der Englisch-Lehrer hätten deshalb gerade in Grundschulen hospitiert. Auch die drei Lehrbücher, die an den Oldenburger Grundschulen genutzt werden (Playway, Discovery, Bumblebee), hat das Herbart angeschafft, „so dass man das nutzen und darauf zurückgreifen kann“. Umgekehrt waren Grundschullehrer im Englisch-Unterricht an weiterführenden Schulen.
Was man wissen muss: „Das Grundschul-Curriculum sieht in Englisch praktisch überhaupt kein Schreiben vor“, sagt Veronika Riesebieter. Im Erstspracherwerb gehe es vor allem um das Lautbild, Singen, Spielen, kleine Rollenspiele, nicht um das Schriftbild. Trotzdem forderten Eltern die Grundschulen oft massiv zu Vokabeltests auf. Riesebieter: „Die Kinder müssen das nicht können. Dass es dort nicht ums Schreiben geht, ist uns auch am Gymnasium vollkommen klar.“
Harald Bouillon von der Landesschulbehörde sagte, das Hör- und Sehverstehen werde am stärksten bewertet, auch das Sprechen spiele eine Rolle, das wiedererkennende Lesen aber flösse kaum und das Schreiben gar nicht ein: „Die Fertigkeit des Schreibens hat im Englischunterricht der Grundschule eine ausgesprochen geringe Bedeutung, sie gehört nicht zu den Zielen.“
Grundschul-Englisch, für das es zunächst keine Noten gab, sei immer verschulter geworden, sagte Sabine Stehno, die Leiterin der Grundschule Nadorst. Die Schule befrage die Eltern der ehemaligen Viertklässler nach dem Übergang, wie gut sich die Kinder vorbereitet fühlten. Da sei Englisch „ein großes Thema“, besonders das Vokabellernen. Das sei aber „einfach nicht Aufgabe der Grundschulen“, trotzdem werde es an weiterführenden Schulen schon mal vorausgesetzt. Viele Schulen säßen wegen des Spagats zwischen Lehrauftrag und guter Vorbereitung, die die Kinder ja auf jeden Fall bekommen sollten, glücklicherweise nun in „Regionalen Fachkonferenzen Englisch“ an einem Tisch.
Schulleiter wie Günter Tillmann setzen dabei auf eine Reduzierung des Drucks: „Unsere Devise ist: Zeit, Förderung, Geduld – und die Schüler dort abholen, wo sie stehen.“
